Exoskeletten zur körperlichen Entlastung des Personals oder mit Virtual-Reality-Brillen gestützte Trainings. Digitale „Pflege Journey“ Und auch für den großen Bereich der Pflege zu Hause, egal ob durch Angehörige oder durch ambulante Pflegedienste unterstützt, gibt es heutzutage eine große Bandbreite unterschiedlicher technischer Lösungen. Dazu gehören etwa Herdsensoren, die erkennen, dass die Platten nicht ausgeschaltet wurden, und intelligente Anwesenheits- und Sturzerkennungssysteme, die über den klassischen Hausnotrufknopf weit hinausgehen. Daneben gibt es auch smarte Medikamentenspender und weitere Erinnerungssysteme, die helfen, den Alltag zu strukturieren. All diese Lösungen können dazu beitragen, einen möglichst langen Verbleib in den eigenen vier Wänden zu unterstützen. Interessierte Leser:innen finden verfügbare Lösungen übrigens auch in unserem www.meintechnikfinder.de. Die genannten Technologien in Pflegeeinrichtungen und der Häuslichkeit können an vielen Stellen sinnvoll unterstützen, im Alltag konkret entlasten und im Idealfall die Versorgungsqualität sogar verbessern. Wenn es jedoch darum geht, die pflegerische Versorgung insgesamt nachhaltig und zukunftsfähig aufzustellen, reicht der Blick auf einzelne Anwendungen nicht aus. Der breitenwirksame Hebel liegt darin, Versorgungsprozesse und Informationsflüsse entlang der sogenannten „Pflege Journey“ digital zu organisieren. Gerade auch im Gesundheitssystem und der Pflege entstehen enorme Aufwände, weil Informationen doppelt und dreifach erhoben werden oder Dokumente ausgedruckt, gefaxt und händisch wieder neu in andere Formate eingetippt werden. Über ein Drittel der Arbeitszeit von Ärzt:innen und Pflegekräften wird Umfragen zufolge so gebunden. Ein besonders zeitaufwendiger Bereich voller Medienbrüche ist dabei die Dokumentation. Aktuelle Studien weisen darauf hin, welches Entlastungspotenzial digitale Lösungen hier entfalten können: In einzelnen Untersuchungen wurden Zeitersparnisse von bis zu 28 Prozent beschrieben. „Digitale Dividende“ nur ohne Medienbrüche Genau hierin liegt auch die Hoffnung, die sich mit der Digitalisierung für die Kostenentwicklung des Pflegesystems verbindet. Damit die „digitale Dividende“ tatsächlich in der Pflege ankommt, braucht es mehr als innovative Einzellösungen. Entscheidend sind gemeinsame Standards und interoperable Systeme, damit Daten wirklich im Sinne von „4.0“ medienbruchfrei dahin fließen können, wo sie gerade gebraucht werden. Gelingt es, eine funktionierende interprofessionelle digitale Kommunikation und einen verlässlichen Datenaustausch zwischen den an der Versorgung beteiligten Akteuren zu etablieren, können die knappen personellen Ressourcen effizienter eingesetzt werden. Dazu gehört ebenso, dass auch die am Versorgungsgeschehen beteiligten Behörden, wie etwa Gesundheits- und Sozialämter, sich perspektivisch auf Prozessstandards und Datenformate verständigen. Effiziente digitale Pflegeversorgung kann langfristig nur funktionieren, wenn auch die umliegenden Verwaltungsstrukturen medienbruchfrei und digital mitgedacht werden. Und auch digitale Zugänge müssen unabhängig vom jeweiligen Versicherungsstatus nutzbar sein. Für Pflegeeinrichtungen bedeutet Digitalisierung zunächst fast immer zusätzliche Investitionen in Infrastruktur, Software und Schulungen. Entlastungseffekte sind voraussetzungsreich und zeigen sich erst nach einer Umstellungs- und Eingewöhnungsphase. Gleichzeitig ist leider noch längst nicht für jede Anwendung belegt, welche konkreten Verbesserungen sie im Versorgungsalltag tatsächlich erzielt. Diese müssen unbedingt auch technisch anschlussfähig und interoperabel sein, damit im gesamten Versorgungsgeschehen Medienbrüche und Doppelprozesse überwunden werden können. Die Pflege in zehn Jahren Darüber entscheidet vermutlich weniger die Frage, welche konkreten Technologien bis dahin existieren. Maßgebend wird vielmehr sein, ob es gelingt, die richtigen Rahmenbedingungen für den sinnvollen Einsatz digitaler Lösungen zu schaffen. Die Technik entwickelt sich schnell weiter, insbesondere im Bereich KI, und bis 2036 wird technisch vieles möglich sein. Ob daraus jedoch tatsächliche Entlastung und verbesserte Versorgung entstehen, ist keine reine Technikfrage. Die große Aufgabe besteht darin, schon heute Versorgungspraxis, Technologien und Strukturen zusammen zu betrachten. Wenn es gelingt, nicht nur einzelne Aufgaben, sondern ganze Prozesse sinnvoll zu digitalisieren und die Technik konsequent an den Bedürfnissen der Praxis auszurichten, liegt in der Digitalisierung eine echte Chance für die Zukunft der Pflege. Genau daran arbeiten wir als Landeskompetenzzentrum Pflege 4.0 in Berlin. _ Smarthome-Zentrale (die Würfel links), Sensoren (Türsensor, Notfallknöpfe, Bewegungsmelder) und Assistenztechnologien (smarte Trinkflasche und dahinter smarte Medikamentendose) für ein sicheres und selbstbestimmtes Leben zu Hause. … wird durch die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege gefördert und durch den Hauptstadtträger albatros.social umgesetzt. Mehr: lebenpflegedigital.de Das Landeskompetenzzentrum Pflege 4.0 … © Kompetenzzentrum Pflege 4.0 (3) FOKUS 19 dbb magazin | Juni 2026
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