INNOVATIONEN Der Kuschel-Roboter PARO unterstützt emotionale Regulation und Aktivierung von Menschen mit Demenz. Zukunft der Pflege Entlastung ist keine reine Technikfrage Wie sieht die Pflege in zehn Jahren aus? Gerontologe Simon Blaschke leitet das Berliner Landeskompetenzzentrum Pflege 4.0 und skizziert die rasanten Zukunftstrends. Verfolgt man die technologischen Fortschritte der vergangenen Jahre, erscheint es fast unausweichlich, dass auch die Pflege im Jahr 2036 vollständig digital organisiert sein wird: Humanoide Roboter übernehmen Routinen, Datenströme fließen ungehindert zwischen allen Versorgern und Versorgten und der KI-Agent ist der erste Ansprechpartner für pflegebedürftige Menschen. Genau solche Zukunftsbilder prägen die aktuellen Debatten in Politik und Gesellschaft: Während diese Visionen einigen bedrohlich vorkommen, feiern andere digitale Technik als beste Antwort auf den Fachkräftemangel und den einzigen Hebel gegen steigende Kosten. Doch wie viel Realismus steckt in diesen Erwartungen? Welche Aufgaben lassen sich sinnvoll digitalisieren und wo bleibt menschliche Interaktion unersetzbar? Genau das sind die Fragen, mit denen sich unser Berliner Landeskompetenzzentrum Pflege 4.0 seit sechs Jahren ganz praktisch auseinandersetzt. Unser Zentrum hat insbesondere die Aufgabe, die dynamischen Entwicklungen im Kontext der digitalen Pflege für Einrichtungen, Verwaltung und Bürger:innen einzuordnen und die Pflegeakteure auf Landes- und Bezirksebene zu vernetzen. Konkret erfassen wir den Digitalisierungsstand Berliner Pflegeeinrichtungen, unterstützen diese etwa bei der Anbindung und Nutzung der Telematikinfrastruktur und bieten Orientierung zu Themen wie elektronischer Patientenakte, KI-Anwendungen und Assistenzsystemen. Gleichzeitig arbeiten wir auch an strukturellen Fragen wie Schnittstellen und Standards. Gefördert und fachlich begleitet wird unser Zentrum durch die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege. Umgesetzt wird es durch albatros.social, einen gemeinnützigen Träger der freien Wohlfahrtspflege, der seit über 40 Jahren mit vielfältigen gesundheitlichen und sozialen Unterstützungsangeboten in der Hauptstadt und darüber hinaus aktiv ist. Genau diese Verortung zwischen Pflegepraxis, Verwaltung und Zivilgesellschaft ermöglicht uns einen unabhängigen, realistischen Blick auf den Mehrwert digitaler Lösungen. Im Fokus steht dabei für uns immer die Frage, wie Digitalisierung so gestaltet werden kann, dass sie den Menschen, die Pflege benötigen oder leisten, wirklich hilft. Mit dieser Perspektive beobachten wir natürlich vor allem auch alle technischen Innovationen für die Pflege. Konkrete Entlastung im Alltag Technisch möglich ist heute tatsächlich bereits sehr viel. Das zeigt sich gerade an prominenten Beispielen wie sprachfähigen Sozialrobotern, die bei Aktivierung und Interaktion mit Heimbewohner:innen unterstützen können. KI-gestützte Sprachdokumentation ermöglicht es Pflegekräften, Beobachtungen direkt ins Dienstgerät zu diktieren, statt papierbasiert nachtragen zu müssen. Und auch sensorbasierte Systeme entwickeln sich immer weiter, von Sturzmeldern bis zu smartem Inkontinenzmaterial, das anlassbezogenes Handeln ermöglicht und Routinekontrollen reduziert. Hinzu kommen auch erste Praxiserprobungen von Simon Blaschke 18 FOKUS dbb magazin | Juni 2026
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