Das Vertrauen der Menschen in den Staat ist laut dem eGovernment Monitor auf einem neuen Tiefstand gesunken. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung an eine moderne Verwaltung.
Der dbb Bundesvorsitzende Volker Geyer erklärte dazu am 29. September 2026: „Die Ergebnisse sind ein Warnsignal und decken sich mit denen aus unserer aktuellen dbb Bürgerbefragung. Eine Trendwende beim Vertrauensverlust in die staatliche Handlungsfähigkeit ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Das Vertrauen nimmt weiter ab und befindet sich auf einem neuen Tiefstand. Mittlerweile vertrauen nur noch 32 Prozent dem Staat. Wenn die Politik dieses Vertrauen zurückgewinnen will, muss sie die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes stärken und den Beschäftigten die dafür notwendigen Mittel an die Hand geben. Eine moderne und digitale Verwaltung ist dabei kein nice-to-have, sondern eine Grundvoraussetzung.“
Zugleich machen die Ergebnisse deutlich, dass die im Rahmen der Staatsmodernisierung angestoßenen Modernisierungsmaßnahmen noch nicht die erhoffte Wirkung entfaltet haben. Nur 12 Prozent nehmen beispielsweise eine deutliche Verbesserung des digitalen Angebots wahr. „Die Maßnahmen von Bund und Ländern zur Staatsmodernisierung schlagen sich noch nicht in den Ergebnissen nieder. Es gilt jetzt, die angekündigten Verbesserungen konsequent umzusetzen, damit sie bei den Menschen ankommen. Das nur 15 Prozent angegeben haben, dass ihre Erwartungen an eine moderne, digitale Verwaltung aktuell erfüllt werden, zeigt, dass unverändert dringender Handlungsbedarf besteht“, so der dbb-Bundesvorsitzende.
Die Studie zeigt zudem, dass die Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger unverändert hoch ist: 64 Prozent erwarten digitale Verwaltungsleistungen auf dem Niveau privater Anbieter. Zwei Drittel finden, dass der Staat sie besser über seine digitalen Angebote informieren muss. 62 Prozent fordern einen stärkeren Einsatz von KI. Geyer: „Die Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger ist eindeutig und verständlich: Sie wollen einen Staat, der KI nutzt, Verfahren vereinfacht und seine Leistungen digital sowie nutzerfreundlich anbietet. Digitale Angebote allein reichen aber nicht. Sie müssen auch offensiv beworben werden, sonst nutzt sie am Ende keiner.“
Zudem müssen vor dem flächendeckenden Einsatz von KI robuste Sicherheitsstandards für die Sammlung und Nutzung sensibler Bürgerdaten durchgesetzt werden. Geyer: „Die Vielzahl der Warnungen von KI-Anbietern selbst vor Datenmissbrauch durch KI in der letzten Zeit muss für den öffentlichen Dienst bedeuten, dass KI nur eingesetzt werden kann, um Verfahren zu vereinfachen und nutzerfreundlicher zu machen. Die qualitative Güterabwägung und Letztentscheidung in wichtigen Fragen müssen beim Menschen verbleiben.“
Hintergrund: Der eGovernment MONITOR erscheint jährlich seit 2010 und beleuchtet, ob und inwieweit die digitale Transformation bei den Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ankommt. Es handelt sich hierbei um eine repräsentative Studie der Initiative D21 e. V. und der Technischen Universität München, durchgeführt von Kantar. Der dbb ist Studienpartner vom eGovernment Monitor.