dbb-Tarifchef Andreas Hemsing stellt sich gegen die Pläne der Bundesregierung, die Frühverrentung zu stoppen.
"45 Arbeitsjahre sind eine unglaublich lange und in aller Regel unglaublich anstrengende Zeit. Wer, wie Bundeskanzler Merz, in diesem Zusammenhang davon spricht, die Frühverrentung in Deutschland stoppen zu wollen, hat den Kontakt zum echten Arbeitsleben verloren", konstatierte dbb-Tarifchef Andreas Hemsing am 27. August 2026. Für den dbb beamtenbund und tarifunion machte er deutlich, dass "wir alle Hebel in Bewegung setzen werden, diese realitätsferne Sicht auf die konkreten Arbeitsverhältnisse insbesondere auch in vielen Bereichen des öffentlichen Dienstes zu stoppen. Denn wer 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, muss abschlagsfrei in Rente gehen können, unabhängig von einer Diskussion über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters."
Diskussion um Rentenreform bleibt notwenig
Hemsing kritisierte weiter, dass sich das Kabinett hinter dem Diktum, die Rentenreform sei ein "Gesamtkunstwerk" verschanze, um Diskussionen in der Sache aus dem Weg zu gehen. "Aber genau diese Diskussionen brauchen wir, wenn wir gute Lösungen finden wollen. Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte ist schließlich nicht der einzige Punkt, bei dem das Reformpaket hinsichtlich der Belastungen Schieflage aufweist." Das gelte für den dbb umso mehr, da aus der Rentenkasse riesige Summen für sachfremde Leistungen ausgegeben werden. Auch bei einigen anderen Vorschlägen, wie zum Beispiel einer pauschalen Anhebung der Regelaltersgrenze sowie der Finanzierung des Rentensystems sehe der dbb dringenden Diskussionsbedarf.
"Die Reform muss überzeugen, sie darf nicht einfach durchgezogen werden" machte Hemsing deutlich und stellt für den dbb klar, dass die Reform dafür sorgen muss, dass die Beschäftigten ihren Lebensstandard halten können und mögliche Belastungen gerecht verteilt werden. "Das ist beim derzeitigen 'Gesamtkunstwerk' ganz sicher noch nicht der Fall. Wir sind gesprächsbereit und wir erwarten in aller Deutlichkeit, dass sich die Bundesregierung nicht hinter einer Kommissionsempfehlung verschanzt, sondern Politik mit und für die betroffenen Menschen macht."