dbb magazin 10/2026

Rentenreform 45 Arbeitsjahre sind genug dbb-Tarifchef Andreas Hemsing hat sich gegen die Pläne der Bundesregierung gestellt, die Frühverrentung zu stoppen. 45‑jährige Erwerbsbiografien müssten anerkannt werden. Wer, wie Bundeskanzler Friedrich Merz, davon spreche, die Frühverrentung in Deutschland stoppen zu wollen, habe den Kontakt zum echten Arbeitsleben verloren, sagte Hemsing am 27. August 2026 in Berlin. „45 Arbeitsjahre sind eine unglaublich lange und in aller Regel unglaublich anstrengende Zeit“, konstatierte der Zweite Vorsitzende des dbb und Fachvorstand Tarifpolitik und kündigte an: „Der dbb wird alle Hebel in Bewegung setzen, um diese realitätsferne Sicht auf die konkreten Arbeitsverhältnisse insbesondere auch in vielen Bereichen des öffentlichen Dienstes zu stoppen. Wer 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, muss abschlagsfrei in Rente gehen können, unabhängig von einer Diskussion über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters.“ Stattdessen verschanze sich die Bundesregierung hinter dem Diktum, die Rentenreform sei ein „Gesamtkunstwerk“, statt die Diskussion zu suchen. „Aber genau diese Diskussion ist nötig, wenn wir gute Lösungen finden wollen. Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte ist schließlich nicht der einzige Punkt, bei dem das Reformpaket hinsichtlich der Belastungen eine Schieflage aufweist.“ Das gelte für den dbb umso mehr, da aus der Rentenkasse riesige Summen für sachfremde Leistungen ausgegeben werden. Auch bei einigen anderen Vorschlägen, wie einer pauschalen Anhebung der Regelaltersgrenze sowie der Finanzierung des Rentensystems, sehe der dbb dringenden Diskussionsbedarf. „Die Reform muss überzeugen, sie darf nicht einfach durchgezogen werden“, machte Hemsing deutlich und stellte für den dbb klar, dass die Reform dafür sorgen muss, erreichte Lebensstandards halten zu können und mögliche Belastungen gerecht zu verteilen. „Das ist beim derzeitigen ‚Gesamtkunstwerk‘ bisher nicht der Fall. Wir sind gesprächsbereit und erwarten von der Bundesregierung keine Kommissionsempfehlung, sondern Politik mit den und für die betroffenen Menschen.“ Einbeziehung der Beamten löst kein Problem Bereits am 25. August hatte dbb-Chef Volker Geyer mit Blick auf die Rentenreform erneute Forderungen des Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen, Armin Grau, nach einer Einbeziehung der Beamtinnen und Beamten in die gesetzliche Rente zurückgewiesen. „Ich habe den Eindruck, dass der allgemeine Fachkräftemangel inzwischen voll auf die Politik durchschlägt“, so der dbb-Bundesvorsitzende am 25. August 2026 in Berlin. „Egal wie viele Experten immer wieder darauf hinweisen, dass eine Einbeziehung der Beamten in die Rentenversicherung deren Probleme nicht löst und nur enorme zusätzliche Kosten verursacht: Dieser populistische Vorschlag ist nicht totzukriegen, wie die jüngsten Äußerungen des Grünen-Rentenpolitikers zeigen.“ Zuletzt hatte das auch die Alterssicherungskommission der Bundesregierung erneut klargestellt. Gleichwohl hatte Grau in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung nach einer Einbeziehung des Beamten gefragt. „Die Faktenlage ist eindeutig: Lohnnebenkosten, Arbeitgeberbeiträge, Aufwendungen für die im öffentlichen Dienst übliche Zusatzversorgung und die Zahl der Leistungsberechtigten in der Rentenversicherung würden steigen. Nichts würde besser werden, aber alles teurer. Ich fordere alle Beteiligten auf, sich bei der dringend nötigen Reform der sozialen Sicherungssysteme auf die Lösung der tatsächlichen Probleme zu konzentrieren, statt ideologischen Wunschvorstellungen hinterherzulaufen.“ _ © photoschmidt - stock.adobe.com 6 AKTUELL dbb magazin | Oktober 2026

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