dbb magazin 10/2026

Welche Voraussetzungen muss ich für die Ausbildung mitbringen, wie lange dauert sie und wo findet sie statt? Den klassischen Weg ins Bürgermeisteramt oder gar eine Ausbildung zum Bürgermeister gibt es nicht. Inoffiziell gilt jedoch Public-Management als „Bürgermeister-Studium“. Die Zugangsvoraussetzungen für den Studiengang können sich je nach Bundesland unterscheiden. In der Regel ist eine Hochschulzugangsberechtigung erforderlich. Hinzu kommt gegebenenfalls das Bestehen einer Aufnahmeprüfung. Das duale Bachelorstudium umfasst in der Regel sechs Semester und dauert drei Jahre. Auf dem Lehrplan stehen Recht, Betriebswirtschaftslehre, Finanzen, Management und Sozialwissenschaften. Hinzu kommen Praktika, die direkt in Behörden stattfinden. Verdienst und Karrierechancen Wer ein duales Studium absolviert hat und als Beamtin oder Beamter auf Probe in den Beruf einsteigt, startet in der Regel in der Besoldungsgruppe A 10. Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind Wahlbeamte. Ihre Bezahlung richtet sich nach der Einwohnerzahl der Gemeinde oder Stadt, in der sie gewählt sind. Gemeinde- und Stadträte können, abhängig von der Qualifikation und den anstehenden Aufgaben, auf die Besoldungsstufen Einfluss nehmen. In fachlicher Hinsicht haben Verwaltungsbeamtinnen und -beamte so viele Optionen, wie es Behörden gibt. Es besteht die Möglichkeit, Führungspositionen zu übernehmen. Weitere Informationen gibt es bei den Hochschulen der öffentlichen Verwaltungen in den Bundesländern, die den Studiengang Public Management anbieten – hier exemplarisch für Baden-Württemberg bei der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg. Der Weg in den Job IT-Dienstleistern auf Kreisebene, wo es um die Koordinierung der Verwaltungsmodernisierung geht. In der Regel tagt der Gemeinderat einmal im Monat. Abgestimmt wird über alles, was die Kommunalpolitikerinnen und -politiker in Ausschüssen – darunter etwa der Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt und Forst – vorbereitet haben. „Es hängt vom Thema ab, wie viele Bürgerinnen und Bürger an den öffentlichen Sitzungen teilnehmen“, berichtet der Bürgermeister. Die persönliche Betroffenheit spiele eine Rolle. Wenn es um die Feuerwehr geht, nehmen viele Ehrenamtliche von der Freiwilligen Feuerwehr teil. Und wenn schulische Angelegenheiten auf der Tagesordnung stehen, sind viele Eltern anwesend, mitunter auch Lehrkräfte. „Volles Haus hatten wir zum Beispiel bei der Umsetzung der Ganztagsschule.“ Ursprünglich wollte die Gemeinde die Ganztagsschule verpflichtend für alle Kinder umsetzen. Doch viele Eltern wollten selbst darüber entscheiden, wann ihre Kinder nach Hause können. Inzwischen hat der Gemeinderat das Konzept angepasst. Auf der Straße, im Supermarkt, teils auch vor der eigenen Haustür: Überall suchen Bürgerinnen und Bürger Kontakt, wollen Probleme ansprechen und Anregungen geben. „Als Bürgermeister bin ich eine öffentliche Person“, unterstreicht Joachim. „Das muss allen bewusst sein, die sich ins Amt wählen lassen.“ Die Menschen spiegeln einem zurück, was sie von der Arbeit der Gemeindeverwaltung halten, im Positiven wie im Negativen. Auf welche Fähigkeiten es im Amt ankommt? „Man muss komplexe Sachverhalte schnell erfassen, ein dickes Fell haben und hin und wieder um die Ecke denken.“ Für Letzteres nennt Joachim ein Beispiel: In der Gemeinde gebe es ein Unternehmen, das eigentlich Auspuffteile für Kraftfahrzeuge herstellt. „Wir hatten in der Sporthalle das Problem, dass wir die Fußballtore wegen der Fußbodenheizung nicht richtig im Hallenboden fixieren konnten.“ Das Unternehmen habe spezielle Säcke mit Gewichten angefertigt und damit das Problem gelöst. Obwohl die Arbeitswoche mitunter 50 bis 60 Wochenstunden umfasst, kann sich Joachim keinen anderen Job vorstellen. „Das Amt gibt mir sehr viel zurück.“ Und trotz des vollen Terminkalenders finden sich auch immer wieder Zeitfenster, um mit der Bigband zu musizieren. Auch ohne Unterbrechung durch eine drohende Überschwemmung. cdi Joachim Weschbach bei der klassischen Bürgermeistertätigkeit „Fassanstich“. © Gemeinde Helmstadt-Bargen (2) 24 FOKUS dbb magazin | Oktober 2026

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==