STARTER Soziale Sicherheit ist kein Sparmodell Wenn immer mehr Menschen das Rentenalter erreichen und die Zahl der Pflegebedürftigen wächst, sind Reformen unabdingbar. Doch wer soziale Sicherung zukunftsfest machen will, darf ihre Finanzierung nicht einseitig auf Beschäftigte, Pflegebedürftige und Angehörige abwälzen. Die Vorschläge der Alterssicherungskommission zeigen, wie schwierig der Ausgleich zwischen finanzieller Stabilität und sozialer Ausgewogenheit ist. Beispiel Renteneintritt: Eine pauschale Verlängerung der Lebensarbeitszeit geht an der Wirklichkeit vieler Beschäftigter vorbei. Entscheidend ist nicht allein, wie lange Menschen arbeiten sollen, sondern ob sie gesundheitlich überhaupt dazu in der Lage sind. Flexible und freiwillige Übergänge in den Ruhestand sind deshalb sinnvoller als eine pauschale Anhebung der Altersgrenzen. Auch das geplante Pflegeneuordnungsgesetz verspricht vordergründig Entlastung, droht aber neue Belastungen zu schaffen. Budgets werden neu sortiert, Leistungen eingeschränkt und Kosten verschoben. Die Auswirkungen werden auch die Beschäftigten in der professionellen Pflege spüren. Besonders problematisch ist die geplante Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige. Wer seine Arbeitszeit reduziert, berufliche Nachteile hinnimmt, um eine gesellschaftlich unverzichtbare Aufgabe zu übernehmen, darf dafür nicht mit geringeren Alterseinkünften bestraft werden. Die Reform verkennt den Stellenwert der häuslichen Pflege als Rückgrat des Systems. Sie wird überwiegend von Angehörigen geleistet, die zugleich berufstätig und hoch belastet sind. Ohne verlässliche Entlastungsangebote und eine steuerfinanzierte Entgeltersatzleistung wird dieses Rückgrat weiter geschwächt. Klar ist: Soziale Sicherung braucht tragfähige Finanzen. Klar ist aber auch: Sie braucht Vertrauen. Die Bundesregierung muss bei der Umsetzung der Reformvorhaben nachjustieren und Belastungen gerechter verteilen, Leistungen verlässlicher absichern und diejenigen stärken, die unser Sozial- und Pflegesystem tragen. br 8 4 12 TOPTHEMA Zukunft der Alterssicherung AKTUELL NACHRICHTEN Treffen mit MdB Ralph Brinkhaus: Fortschritte bei der Staatsmodernisierung 4 dbb-Bundeshauptvorstand: Reformideen für das Beamtentum 6 Anhörung zur Pflegereform: Belastungen fördern Politikverdrossenheit 7 INTERVIEW Andreas Hemsing und Heini Schmitt: Reformen brauchen Rückhalt 8 NACHGEFRAGT Heini Schmitt, dbb-Fachvorstand Beamtenpolitik: Politische Beamte müssen die Ausnahme bleiben 11 FOKUS DOSSIER ALTERSSICHERUNG Alterssicherungskommission: Rente auf der Kippe 12 Generationengerechtigkeit. Alle müssen sich politisch vertreten fühlen 14 Pflegeneuordnungsgesetz: Reform mit Nebenwirkungen 18 Pflegende Angehörige: Wenn die Verantwortung mit dem Job kollidiert 20 Teilstationäre Pflege: Unkomplizierte Hilfe bei Betreuungsengpässen 24 ONLINE Cybersicherheitsmonitor: Die dunklen Ecken des Internets beleuchtet 26 INTERN KAMPAGNE „Deutschlands Stärke: unser öffentlicher Dienst“ 28 FÜHRUNGSFOKUS Burn-out: Handeln, bevor der große Knall kommt 35 SERVICE Impressum 41 KOMPAKT GEWERKSCHAFTEN 42 26 Dragana Gordic - stock.adobe.com AKTUELL 3 dbb magazin | Juli/August 2026
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