dbb magazin 7-8/2026

(jeweils 40 Prozent). Regelmäßige Software-Updates, die eine wichtige Rolle für die IT-Sicherheit spielen, führen dagegen nur 25 Prozent der Befragten an. Noch seltener kommen Verschlüsselungslösungen zum Einsatz, etwa bei E-Mails, Messengern oder über ein VPN (Virtuelles Privates Netzwerk). Hier liegt die Nutzung lediglich zwischen 12 und 14 Prozent. Am seltensten wurde Schutz durch Verzicht genannt, etwa durch den bewussten Verzicht auf OnlineBanking, Online-Shopping oder soziale Netzwerke. Allerdings können Schutzmaßnahmen nur genutzt werden, wenn sie bekannt sind. Genau hier zeigt sich eine Schwachstelle: Lediglich Antivirenprogramme und starke Passwörter waren mehr als der Hälfte der Befragten bekannt. Von insgesamt 19 abgefragten Schutzmaßnahmen kannten die Teilnehmenden im Durchschnitt nur sechs. Tatsächlich genutzt wurden meist vier Maßnahmen oder weniger. Als Gründe nannten sie vorrangig ein ausreichendes Sicherheitsgefühl durch die bereits eingesetzten Maßnahmen oder die Einschätzung, weitere Schutzmaßnahmen seien zu kompliziert oder überfordernd. Fehlendes Interesse spielte dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Sowohl die Bekanntheit als auch die Nutzung von Sicherheitsmaßnahmen nehmen mit dem Alter leicht zu. Je größer das Risiko, desto geringer der Schutz Für die eigene Risikoeinschätzung ist ein weiteres Ergebnis interessant: Rund die Hälfte der Befragten hält das persönliche Risiko, Opfer von Cyberkriminalität zu werden, für eher gering oder sogar ausgeschlossen. Paradoxerweise kennen und nutzen Menschen mit einer höheren Risikoeinschätzung weniger Schutzmaßnahmen als jene, die ihr Risiko als gering einstufen. Immerhin informiert sich etwa die Hälfte der Befragten regelmäßig oder gelegentlich über Cybersicherheit. Knapp ein Viertel beschäftigt sich allerdings überhaupt nicht mit dem Thema, während 19 Prozent erst aktiv werden, wenn bereits ein Problem aufgetreten ist. An diesem Verhalten hat sich in den vergangenen vier Jahren kaum etwas geändert. Die Befragung zeigt jedoch auch: Wer bereits Opfer von Cyberkriminalität geworden ist, informiert sich anschließend deutlich häufiger. Positiv fällt auf, dass 98 Prozent der Betroffenen auf die Straftat reagiert haben. Ein Drittel wandte sich an den Betreiber des betroffenen Dienstes oder erstattete Anzeige bei der Polizei. Im Fall sexueller Belästigung lag der Anteil derjenigen, die die Polizei einschalteten, sogar bei 62 Prozent. Kriminelles KI-Potenzial unterschätzt Ein Schwerpunkt des CyMon 2026 lag auf Online-Betrug und künstlicher Intelligenz (KI). Die Befragten sollten unter anderem einschätzen, welche Betrugsszenarien technisch möglich sind. Die größte Zustimmung erhielt der klassische Enkeltrick, bei dem eine KI-generierte Stimme eingesetzt wird (54 Prozent). Die Mehrheit hielt die meisten anderen Szenarien dagegen für technisch nicht umsetzbar. Das Problem: Sämtliche abgefragten Szenarien sind heute bereits technologisch möglich. Der Monitor kommt deshalb zu dem Schluss: „Die technischen Möglichkeiten scheinen sich hier schneller entwickelt zu haben als das Risikobewusstsein der Bevölkerung.“ Das kriminelle Potenzial von KI wird demnach deutlich unterschätzt. Weiterhin untersuchte die Studie den Umgang mit KI-generierten oder KI-bearbeiteten Bildern und Videos. Rund 70 Prozent der Befragten gaben an, bereits solche Inhalte gesehen zu haben, weitere 17 Prozent hielten dies zumindest für wahrscheinlich. Bei der Frage, ob sie KI-Inhalte erkennen könnten, zeigte sich ein gemischtes Bild: 47 Prozent trauten sich dies zu, 53 Prozent eher nicht. Allerdings antworteten jeweils nur acht Prozent mit einem eindeutigen Ja beziehungsweise Nein. Besonders hervorzuheben sind die Unterschiede zwischen den Generationen. Jüngere Menschen berichteten deutlich häufiger von Kontakt mit KI-generierten Inhalten als ältere. Gleichzeitig sind sie optimistischer, wenn es darum geht, manipulierte oder künstlich erzeugte Fotos und Videos zu erkennen. Die Studie zeigt jedoch auch, dass nur eine Minderheit vermeintlich KI-generierte Inhalte genauer überprüft. Wer kontrolliert, verlässt sich meist auf den eigenen gesunden Menschenverstand und hinterfragt, ob eine Szene überhaupt realistisch wirkt (40 Prozent). Viele achten außerdem auf typische Fehler bei Händen, Schatten oder der Darstellung von Text. 23 Prozent verlassen sich darauf, dass andere Nutzerinnen und Nutzer in den Kommentaren auf den KI-Einsatz hinweisen. Ähnlich häufig werden Quellen überprüft. Spezialisierte Werkzeuge wie die Bilder-Rückwärtssuche, Faktencheck-Portale oder KI-Erkennungsdienste nutzen dagegen nur sechs bis zehn Prozent. Ein Drittel der Befragten ergreift keinerlei Maßnahmen. Unterstützung im Fall der Fälle Der Report untersuchte ebenso, welche Unterstützung sich Bürgerinnen und Bürger vom Staat im Umgang mit KI wünschen. Die Antworten verteilten sich auf mehrere Vorschläge nahezu gleichmäßig. Besonders häufig genannt wurden ein schnelles Eingreifen der Behörden bei Betrugsfällen, eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte, Verifikationssysteme, Meldeplattformen sowie Aufklärungskampagnen. Lediglich elf Prozent sprachen sich gegen zusätzliche staatliche Maßnahmen aus. Der Bedarf an Informationen rund um Prävention und Unterstützung bleibt damit auf ähnlich hohem Niveau wie in den vergangenen Jahren. Besonders gefragt sind Hinweise für den Ernstfall. Dahinter folgen Informationen, wie sich Cyberkriminalität frühzeitig erkennen lässt, Maßnahmen zur Prävention sowie Hinweise auf sichere Produkte und Dienste. Das BSI versucht bereits, diesem Informationsbedarf mit kostenlosen To-do-Listen für unterschiedliche Szenarien zu begegnen. Sie bieten Bürgerinnen und Bürgern eine niedrigschwellige Orientierung und zeigen, was etwa bei Betrug im Online-Handel, nach einer Schadsoftware-­ Infektion oder bei Cybermobbing zu tun ist. dsc © NongAsimo - stock.adobe.com FOKUS 27 dbb magazin | Juli/August 2026

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