dbb magazin 6/2026

TARIFPOLITIK Symposium in Köln Zukunftsfähige Kommunen 73 Prozent der Deutschen halten den Staat für überfordert – so die forsa-Umfrage 2025 im Auftrag des dbb. Im Alltag zeigt sich dies besonders in den Kommunen, wo die Menschen häufig lange Wege, Wartezeiten oder eingeschränkte Angebote in Kauf nehmen müssen. Gründe sind mangelnde Digitalisierung, fehlendes Personal und knappe Finanzen. Wie gestaltende Tarifpolitik zu funktionierenden und zukunftsfähigen Kommunen beitragen kann, diskutierten Expertinnen und Experten am 21. Mai 2026 in Köln. Für den Zweiten Vorsitzenden und Fachvorstand Tarifpolitik des dbb, Andreas Hemsing, sind leistungsfähige Kommunen das Fundament eines funktionierenden demokratischen Staates. „Demokratie und Rechtsstaatlichkeit werden im Alltag erlebt – in Bürgerämtern, Kitas, Schulen, im Nahverkehr, in Kultur, Sicherheit und Infrastruktur. Aktuell prägen aber lange Wege und Wartezeiten oder eingeschränkte Angebote das Bild der Menschen. So kann es nicht weitergehen“, sagte Hemsing in seinem Impulsvortrag und forderte ein neues Miteinander, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Lebensqualität und die wirtschaftliche Attraktivität in den Kommunen zu stärken: „Klar ist: Ohne einen leistungsfähigen öffentlichen Dienst mit guten Arbeitsbedingungen und qualifiziertem Personal wird es nicht gehen. Deshalb darf die Verwaltung nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden, sondern als Standortfaktor. Tarifpolitik und Tarifpflege sind – gerade mit Blick auf die Digitalisierung – immer auch Zukunftspolitik.“ Finanzielle Schieflage korrigieren Dabei sei den Gewerkschaften die finanzielle Schieflage vieler Kommunen bewusst. Es sei deshalb am Bund, neue Aufgaben mit entsprechenden finanziellen Ressourcen zu unterfüttern. „Nehmen wir die Ausweitung des Wohngeldanspruchs durch die Ampel: Viele Kommunen mussten dafür zusätzliche Stellen schaffen. Städte und Gemeinden sind heute kaum noch in der Lage, selbstbestimmt Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger jenseits der Pflichtaufgaben anzubieten. Kommunen dürfen nicht zu reinen Verwaltungseinheiten degradiert werden. Sie müssen in der Lage sein, attraktive Bedingungen für Gesellschaft und Wirtschaft anzubieten. Das ist auch ein wichtiger Beitrag zum Demokratieerhalt“, so Hemsing. „Um dieses Ziel zu erreichen, kämpfen wir gemeinsam mit der Kommunalpolitik für eine nachhaltige Finanzierung durch Bund und Länder.“ Dr. Eric Schuß von der Universität Köln ordnete die Herausforderungen finanzwissenschaftlich und arbeitsmarktökonomisch ein. Entscheidend für die Personalsicherung seien attraktivere Arbeitsbedingungen, mehr tarifliche Flexibilität, Weiterbildung, digitale Kompetenzen und interkommunale Zusammenarbeit. Digitalisierung und Bürokratieabbau könnten zwar entlasten, den Fachkräftemangel aber nicht allein lösen. Kommunalverwaltung stärken Die mittelständische Unternehmerin Vera Bökenbrink betonte, dass leistungsfähige Kommunen auch für die Wirtschaft ein wichtiger Standortfaktor sind. Der Mittelstand wolle weiter in Deutschland produzieren, werde dabei aber zunehmend Andreas Hemsing Dr. Eric Schuß 8 AKTUELL dbb magazin | Juni 2026

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