dbb magazin 6/2026

INTERVIEW Katrin Staffler, Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege Alle werden ihren Beitrag leisten müssen Frau Staffler, Sie waren Mitglied in der Bund-Länder-­ Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“. In den vergangenen Monaten wurde viel über Leistungseinschränkungen spekuliert. Welche Vorschläge der Arbeitsgruppe sind aus Ihrer Sicht am drängendsten? Wir müssen jetzt die Reformvorhaben vorantreiben, damit wir auch zukünftig eine qualitativ hochwertige und finanziell tragbare Versorgungsstruktur haben. Der Schwerpunkt bei dem Pflegeneuordnungsgesetz wird auf der ambulanten Versorgung liegen. Das ist mir wichtig, da hier der weitaus größte Teil der Versorgung stattfindet. Zum Zeitpunkt des Interviews ist der Referentenentwurf noch nicht fertig. Gerade bei der Finanzierung ringen wir um die richtige Austarierung. Aber klar ist: Wir müssen das Geld der Solidargemeinschaft sehr sorgsam ausgeben und sicher auch an der einen und anderen Stelle Leistungen auf das Wesentliche konzentrieren. Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass die richtigen Personengruppen die richtigen Leistungen bekommen. Kurzum, wir müssen das Prinzip Gießkanne, das sich punktuell eingeschlichen hat, beenden. Mir ist dabei wichtig, dass wir die Finanzierung auf stabile Beine stellen und dabei die Bedarfe der pflegebedürftigen Zielgruppe in den Fokus stellen. Viele Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung haben den Eindruck, überproportional zur Finanzierung des Gesundheitssystems herangezogen zu werden, während zum Beispiel von der Preispolitik der Pharmaindustrie und der Hersteller von Hilfs- und Pflegeutensilien kaum die Rede ist. Gibt es da ein Ungleichgewicht? Die Finanzlage der Krankenversicherung beziehungsweise der Pflegeversicherung und der demografische Wandel geben uns keinen großen Spielraum. Alle werden ihren Beitrag leisten müssen. Meine Aufgabe verstehe ich so, dass chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen und ihre An- und Zugehörigen ein gutes, verlässliches System vorfinden und nicht zu sehr belastet werden. Denn sie haben schon genug zu schultern. Wir müssen das Prinzip Gießkanne, das sich punktuell eingeschlichen hat, beenden. © Felix Reischenbeck Katrin Staffler 10 FOKUS dbb magazin | Juni 2026

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