Nach den ernüchternden Ergebnissen der neuen PISA-Studie haben dbb-Bildungsgewerkschaften am 8. September 2026 ihre Lösungsansätze vorgestellt.
Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Tomi Neckov, sagte: „Die Schule bekommt das Aufeinanderprallen gesellschaftlicher Entwicklungen ab, die sie selbst nicht verursacht hat und mit ihren aktuellen Ressourcen kaum abfedern kann. Damit sind die PISA-Ergebnisse kein Zeugnis für schlechten Unterricht – sie sind eine Quittung für gesellschaftliche Entwicklungen. Denn wenn selbst die skandinavischen Vorbilder einbrechen, dann liegt das Problem nicht (nur) im Klassenzimmer. Das Aufwachsen in einer digitalen Umgebung, das damit einhergehende Umgehen mit Texten und künstlicher Intelligenz und die sinkenden Möglichkeiten familiärer Unterstützung wirken in die Schule. Wenn dann noch ein beispielloser Lehrkräftemangel und schlechte Ausstattung dazukommen, kann es Schule nicht gelingen, den Bildungserfolg vom sozio-ökonomischen Status der Eltern abzukoppeln. Doch alle Kinder brauchen Basiskompetenzen. Deshalb muss Politik über Einzelprojekte hinaus endlich eine vernetzte Förderkulisse bereitstellen, die nicht nur einzelne Herausforderungen adressiert, sondern den Schulen die Möglichkeit gibt, die beste Umgebung bereitzustellen.“
Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes (DPhV) erklärte: „Die heutigen Ergebnisse waren erwartbar: Deutschland liegt im OECD-Mittelwert, international wie national eine leichte Verschlechterung, kein dramatischer Einbruch, aber auch keine echte Trendwende. Genau das zeigt: Werden die Ursachen nicht systematisch vorschulisch angegangen, wird auch eine nachhaltige Besserung ausbleiben! Bildungsgerechtigkeit und Leistungsorientierung sind keine Gegensätze, sie bedingen einander: Wer mehr Chancengerechtigkeit will, muss dafür sorgen, dass Kinder die deutsche Sprache altersgemäß beherrschen, wenn sie eingeschult werden. Und wer bessere Leistungen will, muss lesestarke Kinder besser fördern und zugleich in gut ausgebildete, fachqualifizierte Lehrkräfte investieren, statt sie immer mehr mit unterrichtsfernen Aufgaben zu belasten oder ihre Ausbildung stetig weiter zu verkürzen. Die Bildungspolitik hat es in der Hand, die bisherige negative Entwicklung umzukehren. Es gilt nun gemeinsam anzupacken: in den Elternhäusern, in der Frühförderung, in den Schulen, in der Politik.“
Für den Bundesverband Reale Bildung (BVRB) dürfen die Ergebnisse nicht wieder zu Reform-Aktionismus führen. Der Bundesvorsitzende Ralf Neugschwender sagte: „Unabhängig von PISA-Punkten und Ranking-Plätzen muss Deutschland seine strukturellen Probleme angehen. Wir brauchen eine Bildungspolitik, die langfristig denkt und sich wieder auf das konzentriert, was Schule leisten muss: junge Menschen mit belastbaren Kompetenzen für ihr weiteres Leben auszustatten. Das Kardinalproblem an PISA ist die irrige Annahme, Wissen und Erlerntes ließen sich kategorisierbar und messbar machen, um die Ergebnisse anschließend in irgendwelche Kompetenzskalen übertragen und somit vergleichen zu können. Schulische Bildung beinhaltet viel mehr, als PISA jemals erfassen kann.“