Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und der Deutsche Philologenverband (DPhV) ordnen die Ergebnisse ein.
„Die OECD-Zahlen bestätigen, was wir seit Jahren erleben: Wir investieren viel, aber nicht gezielt genug dort, wo es für Chancengerechtigkeit entscheidend ist. Jeder siebte junge Erwachsene konnte keinen mittleren Bildungsabschluss erwerben. Das ist ein Alarmsignal für unser Bildungssystem. Die Ergebnisse liefern eine sehr solide Grundlage, um zu sagen: Wir wissen seit Jahren, wo die Probleme liegen. Jetzt braucht es nicht nur neue Programme, sondern vor allem mehr Personal, insbesondere dort, wo der Bedarf am höchsten ist, kleinere Klassen sowie Zeit und Ressourcen für eine gezielte Förderung, damit Herkunft weniger über Bildungschancen entscheidet“, sagt Tomi Neckov, VBE-Bundesvorsitzender.
Der Bericht zeigt: Deutschland gibt im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viel für Bildung aus, bleibt aber bei zentralen Chancengerechtigkeits-Indikatoren hinter vielen Partnerländern zurück. Knapp 14 Prozent der 25- bis 34-Jährigen verfügen über keinen Abschluss der Sekundarstufe II. Im OECD-Durchschnitt ist dieser Anteil in den vergangenen zehn Jahren um fünf Prozentpunkte auf 12 Prozent gesunken, in Deutschland ist er hingegen leicht gestiegen. Auch bei den Übergängen in Ausbildung und Beschäftigung wird die soziale Spaltung sichtbar: 11 Prozent der 18- bis 24-Jährigen waren 2025 weder beschäftigt noch in Bildung oder Ausbildung (NEET-Quote). Dieser Wert liegt zwar unter dem OECD-Durchschnitt von 13 Prozent, ist in Deutschland seit 2015 aber um zwei Prozentpunkte gestiegen.
„Wer Chancengerechtigkeit will, muss genau diese Gruppen gezielt in den Blick nehmen – mit zusätzlichem Personal, Zeit und spezifischen Unterstützungsangeboten“, fordert Neckov. „Der Staat investiert später hohe Summen in Nachhilfe, Fördermaßnahmen und soziale Folgen. Es ist volkswirtschaftlich wie pädagogisch sinnvoller, früh zu investieren – mit ausreichend Personal und qualitativ hochwertigen Angeboten in Kita und Schule.“
Auch für den DPhV sind die Ergebnisse ein Anlass zur Sorge: 55 Prozent der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler besuchen Schulen, deren Leitung angibt, dass die Abwesenheit von Lehrkräften das Lernen beeinträchtigt. Das ist der zweithöchste Wert im OECD-Raum und mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt von 27 Prozent. Zudem gelten 16,2 Prozent der Lehrkräfte an öffentlichen Schulen im Sekundarbereich als nicht voll qualifiziert – fast doppelt so viele wie im OECD-Durchschnitt (8,4 Prozent). Eine Entspannung ist nicht in Sicht: Während im OECD-Durchschnitt die Zahl der Kinder zwischen 5 und 14 Jahren bis 2033 voraussichtlich um 9 Prozent sinken wird, wird sie in Deutschland um 3 Prozent steigen, bei den 10- bis 14-Jährigen sogar um 8 Prozent. Gleichzeitig ist fast jede vierte Lehrkraft im Sekundarbereich 55 Jahre oder älter.
Der DPhV fordert daher eine jetzt spürbare Entlastung der im Dienst stehenden Lehrkräfte, damit sie bis zum regulären Ruhestandsalter durchhalten, er warnt zugleich vor weiteren Kürzungen in der Lehrkräfteausbildung und fordert ein vollwertiges 24-monatiges Referendariat.
Die DPhV-Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing: „Die Zahlen zeigen schwarz auf weiß: Der Lehrkräftemangel ist in Deutschlands Schulen ein dramatisches und alltäglich präsentes Problem, und er wird sich nicht von selbst erledigen. Anders als in vielen anderen Vergleichsstaaten wird die Zahl der Kinder im Schulalter bei uns weiter steigen, weshalb die Bildungsministerinnen und -minister alles Erdenkliche dafür tun müssen, die jetzt tätigen Lehrkräfte nachhaltig gesund im Dienst zu halten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die nachfolgende Generation voll ausgebildet wird – und nicht weniger Zeit und folglich weniger Qualität in der Ausbildung erfahren wird.“
Kommende Termine unter dbb.de.