„Wir erteilen jeglichen Bestrebungen zu einer Bürgerversicherung eine deutliche Absage", so Rainer Nachtigall, Vorsitzender des Bayerischen Beamtenbundes (BBB), klarstellend am 22. September 2026 zu den Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Verhältnis von gesetzlicher und privater Krankenversicherung.
Reformbedarf in der GKV bestreite niemand. „Aber die Antwort kann nicht sein, die Systeme – von denen eins durchaus funktioniert – einfach zusammenzuwerfen! Das Nebeneinander von GKV und PKV ist kein Gerechtigkeitsproblem“, betonte Nachtigall. „Wir brauchen fundierte Ansätze, um die Probleme in der gesetzlichen Krankenversicherung zu lösen. Wer die dortigen Strukturprobleme nicht angeht, kann nicht erwarten alles dadurch zu lösen, indem man weitere Menschen in ein marodes System drängt.“
Fast die Hälfte der Privatversicherten sind Beamtinnen und Beamte, deren Krankenversorgung auf der Beihilfe des Dienstherrn und einer ergänzenden privaten Versicherung beruht. Wer hier eingreift, dem muss bewusst sein, dass das auch Auswirkungen auf die verfassungskonforme Alimentation haben wird, die man im Blick behalten muss. Gerade die private Versicherung sorgt dabei für einen Versorgungsstandard, von dem auch gesetzlich Versicherte profitieren – mit weniger Budgetgrenzen und Genehmigungsvorbehalten für medizinische Innovationen, wovon Praxen, Physiotherapeuten und Hebammen auch im Sinne der GKV-Versicherten profitieren.
„Wenn Handlungsbedarf besteht, dann im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung", so Nachtigall. Während die private Versicherung langfristig für stabile Beiträge vorgesorgt hat, gerät die GKV-Finanzierung mit dem demographischen Wandel und einem jahrzehntelangen Investitionsstau an ihre Grenzen. Die strukturellen Probleme der GKV würden durch eine Zusammenlegung der Systeme nicht gelöst, sondern nur zusätzliche Menschen in ein bereits angegriffenes System geführt.
„Wir erwarten von der Staatsregierung und den bayerischen Abgeordneten im Bundestag ein klares Signal gegen die Bürgerversicherung!", fordert Nachtigall abschließend. „Politische Weichenstellungen sollten nicht auf der Grundlage von gefühlter Ungerechtigkeit, sondern allein faktenbezogen erfolgen.“