dbb-BildungsgewerkschaftenKI in der Bildung: Schulen stärken, damit aus der Chance kein Rückschritt wird

Der neue „Trendmonitor 2026 – KI in der Bildung“ der Telekom-Stiftung wurde am 23. September 2026 vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie dem Deutschen Philologenverband (DPhV) eingeordnet.

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Der VBE-Bundesvorsitzende Tomi Neckov sagte: „KI wird nicht automatisch zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen. Sie kann und wird auch keine Lehrkraft und keine Beziehungsebene ersetzen können. Sie kann individuelle Förderung verbessern und Teilhabe ermöglichen. Sie kann aber ebenso bestehende Unterschiede verstärken, wenn Zugang, Ausstattung und Unterstützung vom Wohnort oder vom Elternhaus abhängen. Deshalb muss die Politik sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen von den Chancen profitieren können. Wenn KI zur Privatsache der Familien wird, wird aus digitaler Innovation ein neuer Treiber sozialer Ungleichheit.“

Der Trendmonitor basiert auf einer Analyse von 258 KI-Anwendungen und einer Befragung von 81 Expertinnen und Experten. Danach profitieren medienkompetente Lernende voraussichtlich stärker von KI, während Schülerinnen und Schüler mit geringeren digitalen Kompetenzen Gefahr laufen, KI vor allem aus Bequemlichkeit zu nutzen. Gleichzeitig sehen die Befragten großes Potenzial für individualisiertes Lernen und für Anwendungen, die Barrieren abbauen können. 

Neckov: „Politik ist in der Verantwortung. Es braucht eine verlässliche digitale Infrastruktur, die sicherstellt, dass alle Schüler:innen partizipieren können, datenschutzkonforme und barrierefreie Anwendungen sowie gezielte Unterstützung für Schulen in sozial besonders herausfordernden Lagen. Nur so kann sichergestellt werden, dass nicht die Herkunft darüber entscheidet, ob ein Kind KI sinnvoll und kritisch nutzen lernt.“

Der DPhV forderte die Kultusministerien der Länder auf, Lehrkräfte beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht endlich verbindlich zu unterstützen, statt sie mit der Verantwortung allein zu lassen. Der „Trendmonitor KI in der Bildung 2026" zeige, dass immer mehr Lehrkräfte KI-Anwendungen regelmäßig im Unterricht ein setzen – doch mehr als die Hälfte von ihnen (57 Prozent) fühlt sich dabei unsicher, rund 64 Prozent fühlen sich „weniger gut" oder „schlecht" informiert darüber, was rechtlich überhaupt erlaubt ist. Für den DPhV ein klarer Beleg, dass die Politik ihrer Verantwortung bislang nicht ausreichend nachkommt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf in den Ländern, einen rechtlichen Rahmen zu setzen.

Für den DPhV steht dabei an erster Stelle, dass der Einsatz von KI die fachliche Substanz schulischer Bildung nicht aushöhlt. Maßstab muss der anspruchsvolle gymnasiale Bildungsbegriff mit seinem Fokus auf Verstehen statt bloßer Reproduktion bleiben: Schülerinnen und Schüler müssen befähigt werden, KI-generierte Ergebnisse fachlich einzuordnen und eigenständig weiterzudenken, statt sie unreflektiert zu übernehmen. Wie berechtigt diese seit Langem geäußerte Sorge vor einem „Deskilling durch KI“ ist, unterlegt der Trendmonitor mit Zahlen: Die entsprechende Risikoeinschätzung ist 2026 noch höher ausgefallen als im Vorjahr und zählt so zu den am gravierendsten eingeschätzten Risiken des schulischen KI-Einsatzes. Daraus folgt aus Sicht des DPhV zweierlei: Erstens muss sichergestellt werden, dass eigenständig erbrachte fachliche Leistung sichtbar und überprüfbar bleibt. Zweitens darf KI niemals die Fachlehrkraft ersetzen, die Inhalte fachlich fundiert und in der Tiefe vermittelt, wissenschaftspropädeutisches Arbeiten ermöglicht und Schülerinnen und Schüler so zu eigenständigem, kritischem Denken befähigt. Die DPhV-Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing sagte: „Diese Voraussetzungen sind der wirksamste Schutz vor Kompetenzverlust!“ Die finale pädagogische Verantwortung muss immer bei der Lehrkraft liegen: KI darf unterstützen, aber niemals selbst über Leistungen urteilen oder Schülerinnen und Schüler überwachen – ein Grundsatz, den auch der Trendmonitor mit seiner klaren Ablehnung KI-gestützter Prüfungsaufsicht bestätigt.“

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