dbb magazin 3/2024

integrieren lassen. „Da musste ich den ganzen Tag telefonieren“, erinnert sich Böhm. Schließlich hätte sich ein Tierpark erbarmt. „Ich habe mir Bananen und ein Auto mit Hundezwinger geschnappt, dann ging’s los.“ Zweimal habe er unterwegs an Raststätten angehalten, um im Hundezwinger nach dem Rechten zu schauen und die Äffchen zu füttern. Auch die Unterbringung der Sakerfalken gestaltete sich schwierig. Denn der Fund erfolgte ausgerechnet an einem 24. Dezember. „Versuchen Sie mal, da jemanden zu erreichen.“ Aber es gelang nach mehreren Anläufen. Ein Falkner aus Spandau hat die Vögel wieder gesund gepflegt, fünf von ihnen leben inzwischen wieder in Freiheit in der Mongolei. Das verletzte Tier ist zwar durchgekommen, bleibt aber beim Falkner, da die Folgen der Verletzungen eine Auswilderung unmöglich machen. Und die australische Braunschlange? „Die ist auf der Schlangenfarm geblieben.“ Naturkundemuseum leistet Amtshilfe Böhm gehört zu den Menschen, denen deutlich anzumerken ist, dass der Beruf auch ihre Berufung ist. Er erzählt leidenschaftlich, ganz offenbar ist ihm auch nach so vielen Dienstjahren die Freude am Job nicht abhandengekommen. Darauf angesprochen, entgegnet der Zöllner: „Das Schöne ist die Vielfalt.“ Diese ergebe sich zum einen aus den verschiedenen Zuständigkeiten des Zolls. Und zum anderen aus Begegnungen – Böhm ist unter anderem eng mit dem Berliner Naturkundemuseum vernetzt: „Ohne deren Hilfe hätte ich zum Beispiel kaum herausgefunden, was das hier ist“, sagt er, geht zielstrebig auf eine Vitrine zu und greift eine Figur, auf welcher der Schädel eines Tieres befestigt ist. Sie gehörte mutmaßlich dem Anhänger einer afrikanischen Naturreligion, womöglich einem Voodoo-Priester. „Ich musste herausfinden, ob der Schädel von einem geschützten Tier stammt“ – es habe eine Weile gedauert, aber nach zahlreichen Vergleichen mit Schädeln aus der Sammlung des Naturkundemuseums bestand kein Zweifel mehr: Es handelt sich um den Schädel eines geschützten Stachelschweins. Deshalb hat der Zoll die Figur beschlagnahmt. „Vielleicht bin ich jetzt verflucht“, sagt Böhm mit einem Augenzwinkern. „Aber das Recht müssen wir durchsetzen.“ In einem anderen Fall – damals gab es weder Google noch Wikipedia – unterstützte ihn die chinesische Botschaft in Berlin bei einer Recherche. An die hatte sich der Zollamtsleiter gewandt, um herauszufinden, ob in einem sichergestellten Medizinprodukt Tigerknochen enthalten sind. Diesen wird eine lindernde Wirkung Nachwuchskräfte bei der Arbeit: Anwärterinnen und Anwärter im Zollamt Flughafen BER. Verstöße gegen den Artenschutz und Produktfälschungen bilden den Kern der Sammlung. 14 FOKUS dbb magazin | März 2024

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