dbb magazin 9/2020

senioren Achter Altersbericht Digitalisierung ersetzt keine persönlichen Kontakte Der am 12. August 2020 vorgestellte Achte Altersbericht der Bundesregierung setzt sich mit zahlreichen Facetten des Themas Ältere Menschen und Digitali- sierung auseinander und beleuchtet daraus resultierende ethische Fragen. „Digitale Technologien eröffnen neue Möglichkeiten für Senio- rinnen und Senioren“, sagte der Vorsitzende der dbb bundesse- niorenvertretung, Horst Gün- ther Klitzing. Allerdings müss- ten auch Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Ältere in die Lage versetzen, wirklich von der Digitalisierung zu profi- tieren, so Klitzing am 13. Au- gust 2020. „Zum Beispiel darf nicht außer Acht gelassen wer- den, dass E-Mail, Internet und Co. persönliche Kontakte nicht ersetzen können.“ Dies sei wäh- rend der COVID-19-Krise beson- ders deutlich geworden. Der Chef der dbb Senioren stimmte daneben der Empfehlung der Altersberichtskommission aus- drücklich zu, dass Zugang und Nutzung der digitalen Angebo- te für alle Menschen sicherge- stellt werden müssten. „Hierzu sind neben flächendeckend ver- fügbaren schnellen Internetzu- gängen auch entsprechende Bildungsangebote für die ältere Generation erforderlich.“ Dieser Aspekt sei in der bisherigen Dis- kussion zu kurz gekommen. Der aktuelle Altersbericht hebt vor allem auf die Chancen ab, die die Digitalisierung älteren Menschen bietet, ummöglichst lange ein selbstständiges und eigenverantwortliches Leben führen zu können. Die interdis- ziplinär zusammengesetzte Achte Altersberichtskommissi- on unter der Leitung von Pro- fessor Dr. Andreas Kruse hatte den Auftrag herauszuarbeiten, welchen Beitrag Digitalisierung und Technik zu einem guten Le- ben im Alter leisten können. Die Kommission beendete ihre Ar- beit bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Bundesseniorenministerin Franziska Giffey sagte bei der Vorstellung des Berichts in Ber- lin: „Es geht nicht nur um das Skypen mit den Enkelkindern oder Einkaufen übers Internet. Entscheidend dafür ist, dass wir die digitalen Angebote stärker an den Bedürfnissen ausrichten und die älteren Menschen da- bei unterstützen, mit der Ent- wicklung Schritt zu halten.“ Zugleich gelte es, die digitale Kluft, die es innerhalb der älte- ren Generation gebe, abzubau- en. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Seniorinnen und Senioren abgehängt werden, dass ihnen der Zugang zu digitalen Ange- boten und damit auch zur Teil- habe versperrt ist.“ Der Achte Altersbericht be- fasst sich mit Entwicklung und Anwendung digitaler Techno­ logien sowie mit deren Aus­ wirkungen vor allem in den Lebensbereichen Wohnen, Mobilität, soziale Integration, Gesundheit, Pflege und auch mit dem Leben im Quartier. Darüber hinaus unterstreicht er die Bedeutung von digitaler Souveränität, die Vorausset- zung für digitale Teilhabe ist. Anregungen geben die Sachver- ständigen auch zum Umgang mit ethischen Fragen, die beim Einsatz von digitalen Technolo- gien entstehen können. Die Bundesregierung hat bereits Stellung zum Bericht genommen und verweist auf vielfältige Maßnahmen, die Teilhabemöglichkeiten garan- tieren und die erforderlichen Infrastrukturen auf den Weg bringen sollen. Dabei sei auch die Bereitschaft der älteren Ge- neration entscheidend, digita- len Technologien mit Offenheit gegenüberzutreten. Die aktu- elle Pandemie-Situation sei in diesem Zusammenhang auch eine Chance, sich mit den Vor- teilen und Nutzungsmöglich- keiten der digitalen Technik auseinanderzusetzen. Der Achte Alterbericht im Inter- net: https://www.bmfsfj.de/ altersbericht ÜberGenerationendenken, lernenundhandeln. UnsereGesellschaftderZukunft. Ältere Menschen und Digitalisierung Erkenntnisse und Empfehlungen des Achten Altersberichts << Die Altersberichte . . erscheinen in unregelmäßigen Abständen jeweils innerhalb ei- ner Legislaturperiode und orientieren sich an Rahmenthemen. Die Altersberichterstattung geht zurück auf einen Beschluss des Deut- schen Bundestages aus dem Jahr 1994. Bisher sind erschienen: 1993: Erster Altersbericht „Die Lebenssituation älterer Menschen in Deutschland“ 1998: Zweiter Altersbericht „Wohnen im Alter“ 2001: Dritter Altersbericht „Alter und Gesellschaft“ 2002: Vierter Altersbericht „Risiken, Lebensqualität und Versor- gung Hochaltriger – unter besonderer Berücksichtigung demenzieller Erkrankungen“ 2006: Fünfter Altersbericht „Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Beitrag älterer Menschen zum Zusam- menhalt der Generationen“ 2010: Sechster Altersbericht „Altersbilder in der Gesellschaft“ 2016: Siebter Altersbericht „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemein- schaften“ 34 dbb > dbb magazin | September 2020

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