dbb magazin 7-8/2020

interview Dilek Kalayci, Berliner Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sowie amtierende Die Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes dbb magazin Die Corona-Pandemie ist eine einzigartige Herausforderung. Bisher ist das Land auch ver- gleichsweise gut durch die Krise gekommen. Welche zentrale Erkenntnis haben Sie mit Blick auf das deutsche Gesundheits- wesen gewonnen? Dilek Kalayci Dass das deutsche Gesund- heitssystem im Großen und Ganzen gut aufgestellt ist. Die Pandemie hat nicht wie in an- deren europäischen Ländern dazu geführt, dass wir an den Rand der Leistungsfähigkeit oder sogar darüber hinaus ge­ raten sind. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass wir in Deutschland und gerade in Ber- lin sehr schnell und frühzeitig gehandelt haben, um die Infek- tionszahlen in den Griff zu be- kommen. Trotzdemmüssen wir aber weiter aufpassen. Die Pan- demie ist noch nicht vorbei. Wir müssen weitere Infektionswel- len dringend verhindern. Wir gemeinsam bestimmen, wie es mit der Pandemie weitergeht. Ich appelliere deshalb an alle Menschen, sich an die Hygiene- und Schutzregeln zu halten: Abstand halten, Mund-Nasen- Bedeckung tragen, öfter Hände waschen und lüften. Die Ent- wicklungen der letzten Wochen und Monate haben gezeigt, dass die Maßnahmen wirken. Jeder kann dazu beitragen, die Pandemie auszubremsen. Als Vorsitzende der Gesund- heitsministerkonferenz (GMK) der Länder haben Sie die Koor- dination aller Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung an ent- scheidender Stelle miterlebt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Austausch zwischen den Gebietskörperschaften? Was muss zukünftig besser werden? Daran gemessen, dass es eine solche Situation in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat, funk- tioniert die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedli- chen Stellen sehr gut. Das be- trifft einerseits den Austausch mit meinen Amtskolleginnen und -kollegen in den anderen Bundesländern, aber auch mit dem Bundesgesundheitsminis- ter. Hier gibt es von Beginn der Pandemie an ständigen Kon- takt und Austausch, beispiels- weise in wöchentlichen Tele- fon- oder Videoschalten. Andererseits hat auch die Zu- sammenarbeit mit den Bezir- ken im Großen und Ganzen gut funktioniert. Das, was gerade in den Gesundheitsämtern in kürzester Zeit geleistet werden musste, war schon enorm. Ich erlebe die Pandemie als eine Zeit, in der alle zusammenrü- cken. Die Zusammenarbeit mit wichtigen Akteuren wie der Berliner Krankenhausgesell- schaft, der KV Berlin und der Ärztekammer ist intensiv. Es sind kurze Wege für die Ab- stimmung von Entscheidungen entstanden, das ist die gute Seite der Pandemie. Wir setzen jetzt für die Kontaktverfolgung die Software SORMAS ein. Da kommt der Pakt für den ÖGD genau richtig. Eine Tatsache hat Corona erneut deutlich gemacht: Ein funktionierender und gut auf- gestellter Öffentlicher Gesund- heitsdienst ist existenziell wich- tig. Doch viele Stellen – auch bei Ihnen in Berlin – sind seit << Dilek Kalayci © SenGPG / Nils Bornemann 4 dbb > dbb magazin | Juli/August 2020

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