dbb magazin 9/2021

frauen Öffentliche Unternehmen Weniger Frauen im Topmanagement Weniger Frauen schaffen es in öffentlichen Unternehmen an die Spitze. Verbindliche gesetzliche Vorgaben und flexible Führungsmodelle könnten den Trend umkehren. Der Anteil von Frauen in der obersten Führungsebene in öffentlichen Unternehmen der größeren Städte ist im vergan­ genen Jahr um 0,2 Prozent­ punkte auf einen Anteil von 19,5 Prozent zurückgegangen. Das geht aus der FIT-Public Management-Studie der Zep­ pelin Universität Friedrichs­ hafen hervor. Bessere Aufstiegschancen auf eine Topmanagementposition haben Frauen hingegen in den 508 Unternehmen des Bundes und der Länder, die mehrheit­ lich in öffentlicher Hand sind. Hier liegt der Anteil von Frauen in der obersten Führungsebe­ ne bei 26,5 beziehungsweise 19,9 Prozent (Stand: März/ April 2021). Besonders bemerkenswert sind laut Studienleiter Ulf Pa­ penfuß die beachtlichen Un­ terschiede im Städtevergleich. Bei zwölf Städten liegt die Re­ präsentation bei über 30 Pro­ zent, bei 17 Städten weiter un­ ter zehn Prozent. „Insgesamt zeigen die Zahlen, dass etwas getan werden muss, wenn die Politik die von ihr formulierten Ziele zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Män­ nern ernst nimmt“, resümiert Papenfuß, der den Lehrstuhl für Public Management & Pub­ lic Policy an der Zeppelin Uni­ versität Friedrichshafen leitet. Er spricht sich für die Etablie­ rung eines Public Corporate Governance Kodex in jeder Ge­ bietskörperschaft aus. Darin sollen Zielvorgaben zur Beset­ zung von Topmanagement­ positionen auch in den beiden Führungsebenen unterhalb der Unternehmensspitze festge­ legt und jährlich darüber auf der Unternehmenshomepage berichtet werden. So sieht es auch der Deutsche Public Cor­ porate Governance-Muster­ kodex der Expertenkommissi­ on vor, dessen Entwicklung die dbb bundesfrauenvertretung beratend begleitet. < Flexible Führungs­ modelle fördern Auch dbb frauen Chefin Milanie Kreutz unterstreicht: „Die Zah­ len belegen, dass Frauen selbst in den öffentlichen Unterneh­ men Schwierigkeiten haben, in Führungspositionen aufzustei­ gen. Hier gibt es strukturelle Probleme, die öffentliche wie private Arbeitgebende angehen müssen. Nachhaltige Führungs­ kräfteentwicklung gelingt nur, wenn Männern und Frauen ne­ ben beruflicher Förderung in gleichemMaße auch die Ver­ einbarkeit von Familie und Be­ ruf ermöglicht wird. Das wer­ den wir in Zukunft nur durch flexiblere Führungsmodelle wie Führen aus der Ferne, Führen in Teilzeit oder Jobsharing errei­ chen – gerade in der digitalen Arbeitswelt.“ bas < Städte im Vergleich Den höchsten Anteil an Frauen im Topmanagement erreichten abermals die Städte ostdeutscher Bundesländer: in Brandenburg (22,4 Prozent), Sachsen (22,9 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (25,9 Prozent) und Thüringen (26,7 Prozent). Während auch die Stadtstaaten Berlin (35,7 Prozent) und Bremen (24,3 Prozent) ihre Spitzenpositionen beibehielten, bildeten die Städte in Niedersach­ sen (11,8 Prozent) vor Schleswig-Holstein (10,6 Prozent) und Rheinland-Pfalz (10,4 Prozent) die Schlusslichter. In der Gruppe der 69 untersuchten Städte belegt von den baden- württembergischen Städten wie in den Vorjahren Freiburg mit ei­ nem Anteil von 33,3 Prozent einen Platz an der Spitze und Karlsru­ he mit 21,9 Prozent einen Platz in der oberen Hälfte. Mannheim befindet sich mit 16,3 Prozent und einem Rückgang um 2,1 Pro­ zentpunkte noch imMittelfeld, wohingegen Stuttgart mit 6,5 Pro­ zent und einem Rückgang um 2,3 Prozentpunkte und Heidelberg mit unveränderten 0 Prozent im Vergleich deutlich abgeschlagen sind. Unverändert im Vergleich zum Vorjahr ist Offenbach am Main (47,8 Prozent) die Stadt mit dem höchsten Anteil. Insgesamt gestaltet sich die Entwicklung der Repräsentation von Frauen in Topmanagementorganen zwischen den Städten sehr un­ terschiedlich mit einer weiter zunehmenden Spreizung zwischen Gebietskörperschaften mit hoher und sehr niedriger Frauenreprä­ sentationen. Mehr zur FIT-Public Management-Studie der Zeppelin Universität Friedrichshafen unter https://www.zu.de/universitaet/ news/2021-07-26-studie-frauen-topmanagement.php Foto: zenzen/Colourbox.de 31 > dbb magazin | September 2021 dbb

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