Konferenz „PKV digital & aktuell“

Gesundheitswesen: Einheitsversicherung ist kein Problemlöser

  • Friedhelm Schäfer

„Die unstreitig vorhandenen Probleme im Gesundheitswesen sind durch eine Aufgabe des dualen Systems in der Krankenversicherung nicht lösbar, sie werden durch eine Einheitsversicherung nur umfangreicher“, machte dbb Vize und Beamtenvorstand Friedhelm Schäfer bei der EUROFORUM Konferenz „PKV digital & aktuell“ am 29. August 2018 in Berlin deutlich.

Im Gespräch mit Prof. Dr. Jürgen Wasem vom Lehrstuhl für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen, der die Konferenz moderierte, erläuterte Schäfer, dass sich das Nebeneinander von Gesetzlicher und Privater Versicherung im Gesundheitswesen über Jahrzehnte bewährt habe und Vorteile für alle Beteiligten nachhaltig sicherstelle. „Einheitsmodelle wie das der so genannten ‚Bürgerversicherung‘ bringen weder finanziell noch strukturell Verbesserungen. Wer alle als Beitragszahler in einen Topf schmeißen will, muss sich darüber im Klaren sein, dass dann aus diesem Topf auch sämtliche Kosten beglichen werden müssen. Schon rein rechnerisch ist es unmöglich, dass auf diesem Weg irgendwelche Einsparungen erzielt werden könnten – weder individuell noch systemisch betrachtet. Auch ein Gerechtigkeitsplus wird es nicht geben“, prophezeite Schäfer, wobei man trefflich streiten könne, ob die von Einheitsbefürwortern beschworene Ungerechtigkeit überhaupt so himmelschreiend sei.

 

„Mangels Konkurrenz und Quersubventionierung zwischen privater Krankenversicherung und Gesundheitssystem werden am Ende alle gesetzlich Versicherten schlechter versorgt sein als heute. Und die, die es sich leisten können, werden sich qualitativ hochwertige ärztliche Versorgung auf dem ‚Markt‘ dazu kaufen“, so Schäfer, „das wäre dann tatsächlich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.“ Nicht ohne Grund bestünden auch seitens der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Bedenken gegen die Einführung eines Einheitsmodells oder Vorstufen eines solchen in Gestalt des so genannten „Hamburger Modells“, bei dem künftige Beamte zwischen dem beamtenrechtlichen Beihilfesystem, in der Regel ergänzt durch eine private Krankenversicherung, und einer freiwilligen gesetzlichen Absicherung mit Arbeitgeberzuschuss wählen können.

 

„Die GKVen wehren sich erklärtermaßen dagegen, die Probleme der privaten Krankenversicherung auf dem Rücken der Beitragszahler der gesetzlichen Krankenversicherung zu lösen. Außerdem befürchten sie, dass die bislang höheren Arzthonorare für Privatversicherte zu Lasten der gesetzlich Versicherten generell nach oben umgelegt werden, falls die PKV abgeschafft wird, was im Falle einer Einheitsversicherung auch aus unserer Sicht ein durchaus realistisches Szenario wäre.“

 

Schäfer plädierte dafür, anstelle wenig zielführender Vereinheitlichungsideen konkret an einer Optimierung des bewährten Miteinanders von GKV und PKV zu arbeiten. „Alleine die Möglichkeiten der Digitalisierung bieten sowohl organisations- und verwaltungstechnisch als auch medizinisch ungleich mehr Kostensenkungs- und Qualitätssteigerungspotenzial als unausgegorene und vor allem populistisch motivierte Gleichmacherei“, so der dbb Vize.

 

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