EU-Berufsbildungsgipfel für einen EU-Berufsbildungsraum 2025

Der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden Schulen BLBS, Stefan Nowatschin, spricht sich für einen europäischen Berufsbildungsgipfel aus, um die Weichen für einen EU-Berufsbildungsraum 2025 zu stellen.

Nowatschin appelliert an die EU-Kommission, einen Dialog mit allen Akteuren, insbesondere auch den europäischen Berufsschulen, einzuleiten. „Für die Zukunft Europas sind zwei Entwicklungen entscheidend, die erfolgreiche Integration der Migrantinnen und Migranten und die Digitalisierung mit all ihren Anforderungen an die Berufsbildungssysteme und die Arbeitsmärkte. Erfolg oder Misserfolg werden wesentlich von der Leistungsfähigkeit und der Kohärenz der berufsbildenden Systeme abhängen.“

 

Nowatschin wendet sich direkt an die für Beschäftigung, Soziales und Integration zuständige EU-Kommissarin Marianne Thyssen. „Frau Thyssens Generaldirektion ist auch für die berufliche Bildung zuständig. Sie sollte alle kompetenten zivilgesellschaftlichen Kräfte und die Sozialpartner zu einem EU-Berufsbildungsgipfel einladen, um auch den Dialog über die Gestaltung eines EU-Berufsbildungsraum 2025 zu eröffnen“, so der stellvertretende BLBS-Bundesvorsitzende. Im Januar hatte unter der Federführung der Generaldirektion Bildung und Kultur ein erster EU-Bildungsgipfel in Brüssel stattgefunden. Bei der Diskussion über den europäischen Bildungsraum 2025 ging es jedoch hauptsächlich um allgemeinbildende Themen und die angestrebte stärkere Mobilisierung der europäischen Jugend vor allem durch Erasmus+. „Die Berufsbildung kam hier eindeutig zu kurz“, kritisiert Nowatschin.

 

Die berufliche Bildung spiele eine entscheidende Rolle bei der Förderung von globalen Kompetenzen, beim lebenslangen Lernen und der persönlichen Entfaltung, so der BLBS-Vize. „Die Beschäftigungs- und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen und zugewanderten Jugend wird nur durch leistungsstarke und nachhaltigkeitsorientierte Lernorte der dualen Berufsausbildung gesichert und weiterentwickelt.“ Die Bedeutung der berufsbildenden Schulen und des in Deutschland seit Jahrzehnten erfolgreichen dualen Ausbildungssystems werde zunehmend in Europa und weltweit anerkannt. „Darauf muss eine nachhaltigkeitsorientierte EU-Berufsbildungspolitik aufbauen und die Durchsetzung dieses Erfolgsmodells weiter, auch durch entsprechende Investitionen, befördern“, fordert Nowatschin.

 

Nowatschin hat konkrete Vorstellungen, wie der europäische Berufsbildungsraum zu gestalten ist. So wirbt er beispielsweise für die Einrichtung einer digitalen Europäischen Lern- und Kooperationsplattform. „Eine solche Plattform muss alle bisherigen Erkenntnisse bündeln und eine systematische Zusammenarbeit mit internationalen Berufsbildungspartnern, unter anderem auch mit afrikanischen Berufsbildungsstätten, ermöglichen.“ Diese und weitere Fragen der beruflichen Bildung müssten sobald als möglich auf einem EU-Berufsbildungsgipfel beraten werden.

 

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