Präventionsnetzwerk gegen Radikalisierung (RAN):

Vorbeugung durch starke öffentliche Dienste und eine starke Zivilgesellschaft

Die Bundesvorsitzende der dbb Jugend, Sandra Kothe, begrüßt die europäische Zusammenarbeit in der Prävention gegen die Radikalisierung junger Menschen und fordert, daraus auch in Deutschland mehr Nutzen zu ziehen. „Die Europäische Kommission leistet mit dem RAN Netzwerk einen wichtigen Beitrag zur Prävention gegen Radikalisierung. Das RAN sollte in den Mitgliedstaaten stärker genutzt und unterstützt werden, Zivilgesellschaft und Sozialpartner könnten eine größere Rolle spielen“ , sagte Kothe am 7. Dezember 2016 in Berlin.

Das RAN („Radicalization Awareness Network") ist ein von der Europäischen Kommission eingerichtetes Netzwerk von Praktikern und Experten in der Präventionsarbeit gegen Radikalisierung. „Es ist gut, dass sich das RAN nicht auf Vorbeugung im Bereich des Dschihadismus und islamistischen Terrorismus beschränkt. Die europäischen Gesellschaften, besonders junge Menschen, müssen gegen Extremismus jeder Art immunisiert werden.“ Dies sei angesichts der weltweit bedrängten liberalen Demokratie wichtiger denn je, so Kothe.

 

„Die Gesellschaft insgesamt ist in der Prävention gegen Radikalisierung und Extremismus gefordert, gut funktionierende öffentliche Dienste sind dabei von großem Wert. Denn dort gibt es viel Expertise, dort sind die Praktiker für Prävention zu finden“, sagt die dbb Jugend Bundesvorsitzende. „Menschen sind in vielen Lebensbereichen der Gefahr der Radikalisierung ausgesetzt. Junge Menschen werden zum Beispiel an Schulen gezielt von Extremisten angesprochen, von dschihadistischen Gruppen, rechtsextremen Parteien und anderen Feinden der Demokratie.“

 

Die Beamten der Justiz- und Sicherheitsbehörden, Lehrer und Sozialarbeiter, sie alle leisteten wertvolle Arbeit in der Prävention von Radikalisierung und verdienten dafür mehr Anerkennung und Unterstützung. Die öffentlich Bediensteten würden allzu oft allein gelassen. „Die Politik darf diese wichtigen öffentlichen Dienste nicht durch Personalkürzungen schwächen. Resozialisierung zum Beispiel kann nur gelingen, das Abgleiten in den Extremismus nur verhindert werden, wenn genügend qualifiziertes Personal vorhanden ist.“

 

„Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter sind äußerst wichtig in der Früherkennung von Gefährdeten und mehr noch in der Prävention“, so Kothe. „Dabei geht es nicht nur um rechtzeitige Meldung an die Sicherheitsbehörden, sondern vielmehr noch um vorbeugende, die jungen Menschen stark und resistent machende Bildungsarbeit.“ Allerdings könne die Verantwortung nicht allein beim öffentlichen Dienst liegen. „Alle müssen mittun, damit unsere Demokratie stark bleibt.“

 

„Die EU-Staaten können einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie das RAN stärker für gesamtgesellschaftlichen Dialog nutzen, es auch in den Mitgliedstaaten bekannter und effektiver machen.“ Dazu müssten sie auch die Sozialpartner und die Jugendorganisationen einbeziehen und ihre öffentlichen Dienste so stärken, dass sie der Aufgabe der Radikalisierungsprävention gerecht werden können. Kothe ist überzeugt: „Starke öffentliche Dienste sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft, die insgesamt stark sein muss, um Radikalisierung vorbeugen zu können.“

 

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