Sexismus am Arbeitsplatz

Schärfere Regelungen gegen sexistisches Verhalten sind notwendig

Zwei von drei Frauen in Deutschland haben schon einmal sexuelle Belästigung im beruflichen Umfeld erlebt. Das zeigt eine aktuelle europäische Umfrage. Die dbb bundesfrauenvertretung und der Gleichstellungs- und Frauenausschuss der CESI (FEMM) fordern schärfere gesetzliche Regelungen, um Sexismus am Arbeitsplatz wirkungsvoll zu begegnen.

„Sexistisches Verhalten, das zu körperlichen und seelischen Verletzungen führt, darf nicht länger geduldet werden. Die Lage ist ernst. Wir brauchen wirksame gesetzliche Mittel, die zum Handeln gegen sexistisches Verhalten zwingen. Die von uns geforderte Reform des Antidiskriminierungsgesetzes und die Zulassung von Verbandsklagen ist hier ein entscheidender Faktor, um Opfern von sexistischem Verhalten und geschlechterbedingter Diskriminierung besser den Rücken zu stärken“, machte Helene Wildfeuer am 16. Oktober 2019 deutlich.

 

Auch im öffentlichen Dienst müssten Arbeitgebende und Dienstherren proaktiv auf ein gewaltfreies und wertschätzendes Arbeitsklima hinwirken. Denn auch hier seien sexuelle Übergriffe und Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts keine Seltenheit. „Arbeitgebende müssen ihre Haltung verändern. Sexistisches Verhalten hat im Dienstalltag keinen Platz. Wir brauchen vor Ort in den Dienststellen gezielte Maßnahmen, die eine diskriminierungs- und sexismusfreie Behördenkultur fördern. Neben niedrigschwelligen Hilfsangeboten müssen vor allem Führungskräfte darin geschult werden, sexistisches Verhalten zu erkennen, zu unterbinden und die Betroffenen zu unterstützen“, betonte Wildfeuer.

 

Unterstützung erhält sie vom Gleichstellungs- und Frauenausschuss der CESI, der bereits vor der Europawahl im Mai eine vollständige Umsetzung der EU-Gleichstellungsrichtlinie angemahnt hatte. „Sexistisches Verhalten am Arbeitsplatz steht nicht im Einklang mit geltender EU-Gesetzgebung. In allen Mitgliedstaaten müssen diese Vorschriften vollständig umgesetzt werden, alles andere ist eine Verletzung der EU-Verträge. Es ist ein Armutszeugnis, dass ausgerechnet in Deutschland die Rechtsdurchsetzung bei sexueller Gewalt gegen Frauen am Arbeitsplatz nicht greift“, so die Ausschussvorsitzende und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende Kirsten Lühmann.

 

Hintergrund

Im europäischen Vergleich sind es die deutschen Frauen, die am häufigsten Belästigungen bei der Arbeit erleben. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Brüsseler Stiftung Foundation for European Progressive Studies (FEPS) und ihrer französischen Partnerorganisation Fondation Jean-Jaurès. Diese hatten 5000 Frauen, je rund 1000 in Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland, zu ihren Erfahrungen mit sexueller Belästigung befragt. Danach haben 68 Prozent aller befragten Frauen in Deutschland schon einmal ernste oder weniger ernste Übergriffe erlebt. Die berichteten Belästigungen reichten von anzüglichen Kommentaren, Pfiffen oder Gesten, über eindeutige E-Mails oder SMS bis hin zu handgreiflichen Übergriffen und Druck von Vorgesetzten zu sexuellen Handlungen. Nur 17 Prozent der deutschen Frauen, die sexuell berührt worden waren und lediglich 13 Prozent, die zu sexuellen Beziehungen gedrängt worden waren, hatten dies bei einem Vorgesetzten angezeigt.

 

zurück