Kongress „neueVerwaltung“ in Leipzig eröffnet:

Russ kritisiert politische Versäumnisse – Öffentliche Verwaltung konsequent digitalisieren

Politische Versäumnisse bei der Entwicklung der digitalen Gesellschaft hat Willi Russ, Zweiter Vorsitzender und Fachvorstand Tarifpolitik des dbb, kritisiert. „Weder im Bund noch in den Ländern hat die Politik die vielfältigen Aspekte der digitalen Gesellschaft systematisch verfolgt und mitgestaltet“, sagte Russ zum Auftakt des 14. Kongresses „neueVerwaltung“ am 4. Juni 2013 in Leipzig.

„Dieses Defizit hat auch die Entwicklung der öffentlichen Verwaltung geprägt, die in der zurückliegenden Dekade zwar eine große Vielfalt von eGovernment-Lösungen hervorgebracht, dabei aber auch inkompatible Schnittstellen und Medienbrüche erzeugt hat“, sagte Russ zur Eröffnung des zweitägigen Kongresses der dbb akademie, der in diesem Jahr unter dem Motto „Digitale Gesellschaft und Verwaltung“ steht.

 

„Die digitale Vernetzung, ausgelöst durch die immer kürzeren Innovationszyklen in der Informationstechnik, ermöglicht eine komplett neue Qualität des Verwaltungshandelns“, zeigte sich Russ, der auch Vorsitzender der dbb akademie ist, überzeugt. Allerdings stelle „die fehlende Koordination und Standardisierung in den Anfangsjahren sich nun als Hindernis für eine durchgängige Digitalisierung von Verwaltungsprozessen dar“.

 

„Aus Kundensicht steht die einfache, schnelle und vor allem vertrauenswürdige Kommunikation zwischen technik- und informationsbewussten Bürgern und Verwaltung auf der Wunschliste ganz oben“, hob Russ hervor. Die Einbindung der Bürger in digitale Prozesse setze allerdings eine intensivere Auseinandersetzung als bisher mit den Zielgruppen und deren divergierenden Ansprüchen voraus. Durch die lawinenartige Verbreitung mobiler Endgeräte und das schnelle Wachstum von Social Media entstehe ein Bedarf an elektronischer Vernetzung und Beteiligung, der die Anforderungen an eGovernment völlig neu definiert.

 

Als „Dilemma der öffentlichen Verwaltung“ bezeichnete Russ, dass die Aufgaben, die zu einem großen Teil vom Gesetzgeber veranlasst werden, kontinuierlich wachsen, die Ressourcen aber wegen der Finanzkrise und der geplanten Schuldenbremse sinken. „Auf diese widersprüchliche Situation kann die Verwaltung nur durch eine konsequente Digitalisierung und Standardisierung ihrer Prozesse sowie durch eine Vereinfachung der Verfahren reagieren“, sagte Russ. Dafür werde die Unterstützung der zentralen Gremien von Bund und Ländern wie etwa den IT-Planungsrat benötigt. Für das Personal in den Behörden führe die „Omnipotenz von sozialen Medien“ und auch die digitale Erfahrung der Kunden zur einer neuen Wirklichkeit im Arbeitsalltag. „Die zunehmende Digitalisierung wird die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch stärker im Umgang mit dem Bürger fordern. Fortbildung ist und bleibt deshalb Daueraufgabe“, so Russ.

 

Am 14. Kongress „neueVerwaltung“, der von einer Fachausstellung begleitet wird, nehmen Fach- und Führungskräfte aus der Wirtschaft und allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung teil. Am 5. Juni verleiht der dbb beamtenbund und tarifunion im Rahmen des Kongresses seinen diesjährigen Innovationspreis. Die Auszeichnung, die mit 50.000 Euro Preisgeld zu den höchst dotierten Awards im deutschsprachigen Raum zählt, wird für besondere Innovationen aus dem öffentlichen Dienst verliehen.

 

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