dbb Jahrestagung 2018

Podiumsdiskussion: Digitalisierung verändert alles

  • dbb Jahrestagung 2018: Prof. Dr. Ulli Christian Meyer, Staatssekretär im Finanzministerium des Saarlandes, Christoph Verenkotte, Präsident des Bundesverwaltungsamtes, Uwe Lübking, Beigeordneter beim Deutschen Städte- und GemeindebundPodiumsdiskussion auf der Jahrestagung: v.l. Prof. Dr. Ulli Christian Meyer, Staatssekretär im Finanzministerium des Saarlandes; Christoph Verenkotte, Präsident des Bundesverwaltungsamtes; Uwe Lübking, Beigeordneter beim Deutschen Städte- und Gemeindebund und Moderatorin Dunja Hayali

„Wir müssen uns vor der Digitalisierung nicht fürchten“, hat der Finanzstaatssekretär des Saarlands, Ulli Meyer, auf der dbb Jahrestagung betont.

Meyer sagte in seinem Impulsvortrag am 9. Januar 2018 in Köln vor den Gästen des dbb in Köln, dass gerade die Arbeitswelt sich drastisch verändern werde. Nach einer Schätzung könnten demnach in Deutschland künftig 1,5 Millionen Akademiker fehlen, während eine ähnlich große Anzahl an gering qualifizierten Arbeitskräfte keine Arbeit mehr hätten. In der anschließenden Diskussionsrunde mit Christoph Verenkotte, dem Präsidenten des Bundesverwaltungsamtes, und Uwe Lübking, Beigeordneter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, führte Meyer aus, dass die Digitalisierung im öffentlichen Dienst außerdem dazu führe, dass in einigen Bereichen mehr Arbeitskräfte gebraucht würden.

Video des Impulsvortrages

 

Christoph Verenkotte, Präsident des Bundesverwaltungsamtes (BVA), forderte deutlich mehr Investitionen in die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und Dienstleistungen: „Der Standortvorteil, den wir mit unserem stabilen und leistungsfähigen öffentlichen Dienst über Jahrzehnte verlässlich bieten konnten, ist in Gefahr“, warnte der BVA-Chef.  „Wir müssen uns von der lange gepflegten Vorstellung verabschieden, dass e-Government ein Luxus ist. Es handelt sich auch nicht um einen ‚IT-Hype‘, der sich irgendwann wieder abflachen wird.“ Die Digitalisierung sei faktisch zwingend, und insbesondere der öffentliche Dienst komme schlicht nicht an ihr vorbei.

 

„Allein aufgrund der demografischen Entwicklung in den Verwaltungen haben wir gar keine andere Chance als die umfassende Digitalisierung von Verfahren.“ Für die Umsetzung der Digitalisierung brauche der öffentliche Dienst neben einer entsprechenden finanziellen Ausstattung nicht nur IT-Experten. „Zur Digitalisierung gehört von Beginn an auch ein professionelles Prozess- und Projektmanagement“, betonte Verenkotte. „Wir brauchen eigenes und umfassendes Prozess-Know how. Vieles, was in der öffentlichen Verwaltung nicht funktioniert, funktioniert nicht, weil es nicht professionell nach den Grundsätzen des Projekt- und Prozessmanagements angegangen wird.“ Im Zuge der Digitalisierung müssten möglichst schon auf Ebene der politischen Entscheidungsfindung alle fachlich und technisch Beteiligten einbezogen werden, forderte Verenkotte.

Video der Diskussion

 

Uwe Lübking, Beigeordneter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, betonte, im Zuge der Digitalisierung müsse noch mehr in entsprechende Qualifikationen investiert werden. „Auch in den Verwaltungen müssen wir lebenslanges Lernen verinnerlichen“, so Lübking. Größere Kommunen könnten zudem beispielsweise über Vereinbarungen mit Universitäten ein duales Studium anbieten, um Fachkräfte auszubilden. Kleinere Gemeinden könnten im Feld der Aus- und Fortbildung zudem die interkommunale Zusammenarbeit stärken.

 

Auch die Kooperation zwischen den verschiedenen Gebietskörperschaften müsse gestärkt werden – allerdings auf Augenhöhe. Die Kommunen befürchteten, dass etwa beim geplanten Portalverbund des Bundes die unterschiedlichen regionalen Belange nicht ausreichend berücksichtig werden. „Das lässt sich nicht so einfach standardisieren. Kommunalverwaltung ist auch in Zukunft in erster Linie Arbeit mit und am Menschen.“

 

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