Initiative Kulturelle Integration

Öffentlicher Dienst: Multiplikator für gesellschaftlichen Zusammenhalt

  • Astrid Hollmann

Der öffentliche Dienst hat eine wichtige Funktion als Multiplikator für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, machte dbb Vize Astrid Hollmann bei der Jahrestagung der Initiative Kulturelle Integration am 29. Mai 2018 in Berlin deutlich.

„Die Bürger vertrauen darauf, dass Verlass auf den Staat ist, und dass es ‚ihr‘ Staat ist, der die politischen Entscheidungen für unser Gemeinwesen trifft und umsetzt“, sagte die stellvertretende dbb Bundesvorsitzende. „Die Verwaltung muss daher stärker als bislang Spiegel der Gesellschaft sein, und natürlich muss sich auch die Vielfalt der Gesellschaft in der Beschäftigtenstruktur abbilden. Das Gemeinwohl geht alle an, und Organisationen mit einer vielfältigen Beschäftigtenstruktur können besser auf unterschiedliche Bedürfnisse aller gesellschaftlichen Gruppen reagieren. Das gilt insbesondere für den öffentlichen Dienst“, so Hollmann. Wenn von den rund 16,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ein Anteil von rund 20 Prozent in der Privatwirtschaft, aber nur ein Anteil von rund 6,7 Prozent in der öffentlichen Verwaltung arbeiten, ist das definitiv zu wenig und wird der gesellschaftlichen Realität nicht gerecht“, betonte sie.

 

Um den Beschäftigungsanteil von Personen mit Migrationshintergrund zu erhöhen, müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden, sagte die dbb Vize mit Blick auf die Herausforderungen bei der Personalgewinnung. Die potenziellen Bewerber müssten sich für eine Karriere im öffentlichen Dienst interessieren – „der öffentliche Dienst zählt hier bisher viel zu selten zu möglichen Berufsfeldern“. Zudem seien Hemmnisse bei Bewerbungs- und Einstellungsverfahren abzubauen und Interkulturelle Kompetenz insgesamt zu stärken. „Angefangen bei bewussten oder unbewussten diskriminierenden Stereotypen über die Sensibilisierung für Konflikte, die durch Verwicklungen bei der Begegnung unterschiedlicher Kulturen entstehen, bis hin zu Deeskalationstrainings – all diese Aspekte müssen stärker Bestandteil der Aus- und Fortbildung werden“, forderte Hollmann. Ebenso müssten bei der Rekrutierung auch neue Wege erschlossen und gegangen werden, verlangte sie. „Erfolgreiche Beispiele von fachspezifischen Netzwerken, etwa zur Förderung von Lehrkräften mit Migrationshintergrund, belegen, dass gezielte Ansprache und individuelle Betreuung zu positiven Beschäftigungsaspekten führen. Nur durch dauerhaftes Bemühen, Überdenken und Erneuern von Initiativen und Rahmenbedingungen wird es gelingen, Personen mit Migrationshintergrund für den öffentlichen Dienst zu gewinnen.“ Mit Blick auf die Rekrutierungsanstrengungen, die die Privatwirtschaft für die Gewinnung von interkulturell kompetenten Beschäftigten und die Umsetzung von Diversity-Konzepten bereits seit längerer Zeit unternehme, „muss sich der öffentliche Dienst gehörig sputen, wenn er hier nicht ins Hintertreffen geraten will“, warnte die dbb Vize.

Hintergrund

Im Rahmen des regelmäßigen Austauschs der Bundesregierung mit Vertretern der Länder, Kommunen, Gewerkschaften und Verbänden war 2016 anlässlich der regelmäßigen Flüchtlingsgipfel im Kanzleramt die Idee entstanden, eine Initiative zu starten, die sich mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts und kultureller Integration befasst. Daraus wurde die Initiative kulturelle Integration, an der neben der Bundesregierung, Ländern und Kommunen zahlreiche Verbände, Gewerkschaften und Kirchen sowie Migrantenverbände beteiligt sind, darunter auch der dbb beamtenbund und tarifunion. Im Mai 2017 hatte die Initiative unter dem Titel „Zusammenhalt in Vielfalt“ 15 Thesen zu kultureller Integration und Zusammenhalt verabschiedet. Ein Jahr nach Vorstellung der Thesen wurde nun in Berlin Bilanz gezogen und der Dialog mit der neuen Regierung aufgenommen.

 

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