5. Seniorenpolitische Fachtagung

Ländliche Infrastruktur verbessern

  • Autobahn (Symbolbild)

Der Vorsitzende der dbb bundesseniorenvertretung Horst Günther Klitzing hat Bund, Ländern und Gemeinden wohnungsmarktpolitische Konzeptlosigkeit vorgeworfen.

„Ein behördliches Zuständigkeitswirrwarr fördert Insellösungen und verhindert schnelle Veränderungen. Die Politik hat kaum Perspektiven für individuelle Lebensplanungen der Menschen, und in vielen Entscheidungsgremien scheint Ideologie wichtiger zu sein als weitsichtige und nachhaltige Lösungen“, sagte Klitzing auf der 5. Seniorenpolitischen Fachtagung des dbb „Wohnen im Alter – unbezahlbar in der Stadt oder verlassen auf dem Land?“ am 21. Oktober 2019 in Berlin.

 

Als Konsequenz aus dem 7. Altersbericht der Bundesregierung von 2017 forderte Klitzing die Schaffung von mehr generationengerechtem Wohnraum durch Neu- und Umbau, die Entwicklung alternativer Wohnformen sowie die Förderung technischer Assistenzsysteme. „Die Empfehlungen der Altersberichte müssen mehr Beachtung in der politischen Praxis finden. Derzeit reagiert die Industrie schneller auf demografische Trends und die Bedürfnisse der älteren Generation als die Politik“, kritisierte Klitzing. Wenn gleichwertige Lebensverhältnisse nicht nur in Ost und West, sondern auch zwischen den Generationen geschaffen werden sollen, müsse das Augenmerk jetzt auf Verbesserungen der Infrastruktur im ländlichen Raum gelegt werden.


Zwar könnten neue digitale Infrastrukturen helfen, die Lücken zu schließen. „Dann aber darf es keine Unterschiede mehr in der Versorgung der Regionen mit schnellem Internet geben. Zudem müssen auch Betagte in die Lage versetzt werden, die Technik sinnvoll und vor allem so einfach wie möglich nutzen zu können.“ Die Politik sei gut beraten, allen Bürgerinnen und Bürgern, insbesondere den älteren, die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung so darzustellen, „dass sie eine Perspektive auch für das Leben im ländlichen Raum erkennen und sie sich dort nicht verloren vorkommen müssen.“

 

Der Zweite Vorsitzende des dbb Friedhelm Schäfer bezeichnete die Entwicklung des Wohnungsmarktes als „tickende Zeitbombe“ und forderte, wohnungsmarkt- und infrastrukturpolitische Instrumente ganzheitlich einzusetzen, um zukunftsorientierte Lösungen zu entwickeln. Die Wohnungsmisere sei nicht über Nacht entstanden, sondern ein Ergebnis jahrzehntelanger Fehlplanung und Fehlinvestition: „Ballungsräume haben nicht ausreichend bezahlbaren Wohnraum, ländliche Räume keine ausreichende Infrastruktur. Hinzu kommen die Folgen des demografischen Wandels wenn junge Menschen in die Stadt ziehen, während Ältere bei schwindender Infrastruktur auf dem Land zurückbleiben“, so Schäfer. Die Politik habe diese Entwicklung zwar erkannt, es mangele aber an konkreten Gegenmaßnahmen.

 

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