Einkommensrunde für Bund und Kommunen

Krankenhaus-Beschäftigte: „Heldenruhm“ zahlt keine Miete

In Lüneburg haben am 29. September 2020 die Beschäftigten der städtischen Krankenhäuser und psychiatrischen Kliniken auf die schlechten Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen hingewiesen. Sie bezogen Stellung auf dem Marktplatz und forderten ein Einlenken der Arbeitgeber in den laufenden Tarifverhandlungen.

„In Zeiten von Corona sind die Beschäftigten in den Gesundheitsämtern und Krankenhäusern besonders gefordert. Sie sind die ‚Corona-Heldinnen und Helden‘, die im März und April gefeiert wurden und jetzt mit dem harten Vorwurf der Gier abgestraft werden. So geht man mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht um, die sich Tag und Nacht für das Leben anderer ins Zeug legen – immer mit dem Risiko selbst zum Patienten zu werden“, machte der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach auf dem Lüneburger Marktplatz deutlich. Die demonstrative Verweigerungshaltung des Verhandlungsführers der Tarifrunde Ulrich Mädge, Lüneburgs Oberbürgermeister, sei zum aktuellen Zeitpunkt mehr als beunruhigend. „Das Versprechen der Arbeitgeber, diese systemrelevante Arbeit zu honorieren, war für die Beschäftigten Motivation durchzuhalten. Bis jetzt.“ Für die Zeit bis zur dritten Verhandlungsrunde am 22. und 23. Oktober 2020 sind laut Silberbach zahlreiche Warnstreiks geplant.

 

Auch Jens Schnepel, Vorsitzender der Gewerkschaft des Gesundheitswesens GeNi, machte seinem Unmut Luft: „Die Corona-Krise ist eine absolute Zerreisprobe für uns Beschäftigte im Gesundheitsdienst. Überstunden sind nicht erst seit der Pandemie an der Tagesordnung. Die Arbeitsbelastung war vorher schon auf Anschlag. Wir haben unsere Belastungsgrenze längst überschritten. Der anerkennende Applaus für unsere wichtige Arbeit, ist schön und gut. Steigende Mieten können wir davon aber nicht bezahlen.“ Deshalb drängte er auf weitere Gespräche. „Lohnerhöhungen sind notwendig, lösen aber die übrigen Probleme nicht. Deshalb müssen auch die Verhandlungen über bessere Arbeitsbedingungen weitergeführt werden“, so Schnepel.

 

Karoline Herrmann, Vorsitzende der dbb jugend, bekräftigte zudem die Forderung nach notwendigen Verbesserungen für Auszubildende und Berufseinsteiger im öffentlichen Dienst: „Nachwuchsprobleme beklagen, aber den jungen Menschen nichts bieten wollen: Das wollen und das können wir nicht akzeptieren. Wer gut ausgebildete Fachkräfte gewinnen und halten will, muss investieren. Und zwar in Übernahmegarantien und Ausbildungsvergütungen, die zum Leben reichen.“

 

Bei einer Mahnwache der dbb jugend am 28. und 29. September 2020 in Lüneburg hatte Herrmann bereits deutlich gemacht, was sie von der Blockadehaltung der öffentlichen Arbeitgeber in den aktuellen Tarifverhandlungen für Bund und Kommunen hält: „Wir jungen Beschäftigten haben in den letzten Monaten kräftig die Zähne zusammengebissen und dabei geholfen, den Staat durch diese Krise zu bringen. Wir sind ohne Murren eigesprungen, wo ältere Kolleginnen und Kollegen aus gesundheitlichen Gründen nicht weiterarbeiten durften. Das muss in der aktuellen Tarifrunde belohnt werden.“

 

Hintergrund:

Die Gewerkschaften fordern unter anderem eine Einkommenserhöhung um 4,8 %, mind. 150 € (Laufzeit 12 Monate), Erhöhung der Ausbildungs- und Praktikumsentgelte um 100 €, Arbeitszeitangleichung Ost an West, Verbesserungen für den Pflegebereich sowie die Reduzierung der 41-Stunden-Woche für Bundesbeamtinnen und Bundesbeamte. Vom TVöD sind etwa 2,5 Millionen Beschäftigte direkt oder indirekt betroffen: Rund 2,3 Millionen Arbeitnehmende des Bundes und der Kommunen sowie weiterer Bereiche, für die der TVöD direkte Auswirkungen hat, sowie rund 225.000 Bundesbeamtinnen und Bundesbeamte, auf die der Tarifabschluss übertragen werden soll.

 

 

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