Equal Care Day Manifest

Jede Sorgearbeit ist systemrelevant!

Mit dem Equal Care Day Manifest fordert eine breite zivilgesellschaftliche Initiative die Aufwertung beruflicher und familiärer Sorgearbeit. Die dbb bundesfrauenvertretung unterstützt den bundesweiten Aufruf. Sie gehört zu den ersten Organisationen, die das Manifest unterzeichnet haben.

„Die Folgen der Covid19-Pandemie führen uns schmerzlich vor Augen, wie wertvoll bezahlte und unbezahlte Betreuungs- und Pflegedienstleistungen sind. Bricht diese Unterstützung weg, besteht die Gefahr, dass unsere Gesellschaft samt ihrer Wirtschaft am Konflikt zwischen Beruf und Privatem zerreißt. Sorgearbeit ist immer systemrelevant: Egal, ob sie privat oder beruflich ausgeführt wird. Das müssen Politik und Wirtschaft endlich anerkennen und für strukturelle und finanzielle Lösungen sorgen. Ziel muss es sein, einen zukunftsfähigen Gesellschaftsvertrag zu entwickeln, damit private und professionelle Sorgetätigkeiten weder bei Männern noch bei Frauen finanzielle oder soziale Nachteile nach sich ziehen. Das Equal Care Day Manifest zeigt jetzt einen ergebnisorientierten Fahrplan auf“, erklärte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, anlässlich der Veröffentlichung des Equal Care Day Manifests am 19. Mai 2020.

 

Das Equal Care Day Manifest fordert die Entwicklung einer zusammenhängenden Strategie, die sowohl zur höheren Wertschätzung unbezahlter Sorgearbeit als auch zur Neubewertung und finanziellen Aufwertung von Care-Berufen (SAHGE-Berufen) beiträgt. Als notwendige Maßnahmen benannt werden darüber hinaus die Einführung einer finanziell abgesicherten Familienarbeitszeit sowie von flexiblen Zeitbudgets bei geleisteter Care-Arbeit für Kinder und kranke beziehungsweise hilfebedürftige Angehörige. Diese sollen mit einer echten Entgeltleistung, etwa einem Sorgegeld, gekoppelt werden, das der Höhe des Elterngeldes entspricht. Hinzukommen sollten die konsequente Durchsetzung bestehender Gesetze und Leitlinien auf Landes- und Bundesebene, die Unterstützung und Forderung einer gleichberechtigten Arbeitsteilung in Familien und Verantwortungsgemeinschaften durch alternative Erwerbsmodelle sowie die Abkehr vom Primat der informellen Pflege und die Schaffung besserer Arbeitsbedingungen in allen Care-Berufen.

 

Die gemeinsame Erklärung für eine geschlechtergerechte Verteilung von Care-Arbeit entstand im Rahmen der „Equal Care Day“-Konferenz am 29. Februar 2020 in Bonn, an der Milanie Hengst für die dbb bundesfrauenvertretung teilgenommen hatte. Diese wurde von der unabhängigen zivilgesellschaftlichen „Equal Care Day“-Initiative organisiert. Mit dem Manifest sollen von Care-Arbeit profitierende Unternehmen, professionell Pflegende, Eltern und pflegende Angehörige ebenso erreicht werden wie VertreterInnen aus Politik, staatlichen Institutionen und Verbänden. Das Manifest, das bisher unter anderem von verschiedenen Frauenverbänden, Gleichstellungsbeauftragten, Forschungseinrichtungen, Gewerkschaften, Bildungsinstituten und kirchlichen Organisationen unterzeichnet wurde, kann online unter manifest.equalcareday.de abgerufen und mitgezeichnet werden.

 

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