IQB Bildungstrends: dbb Lehrerverbände fordern Konsequenzen

Lehrerverbände unter dem Dach des dbb haben am 13. Oktober 2017 Konsequenzen aus den Ergebnissen der Studie „IQB Bildungstrends“ gefordert. Demnach haben sich die Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik bei Kindern in der vierten Klasse im Vergleich zu 2011 verschlechtert.

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, bezeichnete die Ergebnisse als schmerzhaften Weckruf. „Mit Sicherheit haben die Leistungsabfälle auch mit dem stark gestiegenen Anteil von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte zu tun. Es gibt aber offensichtlich Länder, denen es trotz hohen Migrationsanteils besser gelingt, diese zu guten Leistungen zu bringen, als andere. Wir müssen jetzt genau hinschauen, um zu sehen, was machen die Siegerländer besser als die abgehängten“, sagte Meidinger. Er erneuerte seine Forderung Kinder mit Migrationshintergrund ausgewogen zu verteilen. Außerdem sei zu befürchten, dass die vermehrte Einstellung von nicht ausreichend nachqualifizierten Seiteneinsteigern als Grundschullehrkräfte in vielen Ländern den Abwärtstrend bei den Leistungsstandards noch verstärken werde.

 

Auch Udo Beckmann, der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), bemängelte den seit Jahren zunehmenden Lehrermangel. Im Grundschulbereich seien inzwischen in einigen Bundesländern über die Hälfte der Neueingestellten keine originär ausgebildeten Lehrkräfte. Deshalb forderte Beckmann: „Wir brauchen konkrete Maßnahmen, wie der Lehrermangel behoben werden kann. Aber das, was die Kultusministerkonferenz hat verlauten lassen, ist an Unverbindlichkeit kaum zu übertreffen. Wenn es uns nicht gelingt, schnellstmöglich wieder auf originär ausgebildete Lehrkräfte in den Schulen zugreifen zu können, wird sich der festgestellte Negativtrend weiter verstärken. Wer Ressourcenverweigerung zum bildungspolitischen Prinzip und finanzpolitischen Kalkül macht, braucht sich wirklich nicht über die Ergebnisse wundern.“

 

Der Bundesvorsitzende des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR), Jürgen Böhm, bezeichnete die Ergebnisse des Bildungstrends „als Alarmsignal, aber auch als Handlungsaufforderung“. Gerade Bundesländer, die in den vergangenen Jahren bildungspolitische Experimente auf Kosten von Qualität und Leistungsanforderungen gemacht hätten, müssten nun die Weichen dringend wieder realistisch stellen. „Differenzierte, am einzelnen Heranwachsenden orientierte Wege, eine klare schulartspezifische Ausbildung der Lehrkräfte sowie ausreichend und motiviertes Personal an den Schulen sind die wichtigste Voraussetzung dafür, Qualitätsstandards zu erhalten beziehungsweise wieder zu etablieren. Nur so wird es gelingen, die Herausforderungen einer zunehmend heterogen zusammengesetzten Gesellschaft zu bewältigen, nur so kann das bildungspolitische Ruder wieder herumgerissen werden“, sagte Böhm.

 

Eugen Straubinger, Bundesvorsitzender des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen (BLBS), wies darauf hin, dass die jetzt geprüften Schüler in wenigen Jahren an die beruflichen Schulen kämen. Für die dortigen Anforderungen seien Kenntnisse in Deutsch und Mathe unabdingbare Grundvoraussetzungen. „Wenn schon Grundschüler in den wichtigen Fächern die Standardaufgaben nicht oder nur unzureichend lösen können, dann muss hier schnell nachgesteuert werden“, so Straubinger. Wenn nötig, müssten zusätzliche Ressourcen für den Deutsch- und Mathematikunterricht an den beruflichen Schulen bereitgestellt werden, um diese Defizite schon vor Beginn der Berufsausbildung ausgleichen zu können.

 

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