dbb Senioren im Dialog mit der Politik

Seniorenpolitik ist Gesellschaftspolitik

  • Grigorios Aggelidis und Horst Günther KlitzingDer Vorsitzende der dbb bundesseniorenvertretung Horst Günther Klitzing (rechts) mit dem seniorenpolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Grigorios Aggelidis.
  • Horst Günther Klitzing und Klaus-Dieter Schulze im Gespräch mit Katrin WernerHorst Günther Klitzing und Klaus-Dieter Schulze im Gespräch mit Katrin Werner, Sprecherin für Familie und Senioren der Bundestagsfraktion DIE LINKE.
  • Horst Günther Klitzing und Klaus-Dieter Schulze im Meinungsaustausch mit Matthias von SchwanenflügelHorst Günther Klitzing und Klaus-Dieter Schulze im Meinungsaustausch mit Matthias von Schwanenflügel, Leiter der Abteilung 3 – Demografischer Wandel, ältere Menschen, Wohlfahrtspflege im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).
  • Horst Günther Klitzing im Gespräch mit Kay RugeHorst Günther Klitzing im Gespräch mit Kay Ruge, Beigeordneter beim Deutschen Landkreistag.

Die Lebensqualität der älteren Generation hängt von verschiedenen Parametern ab, deren positive Gestaltung letztlich der gesamten Gesellschaft zu Gute kommt. Eine hohe Pflegequalität, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, nutzbare Infrastrukturen im ländlichen Raum und der Ausbau digitaler Angebote gehören dazu. Mitglieder der Geschäftsführung der dbb bundesseniorenvertretung haben im Januar 2020 Gespräche mit Verantwortlichen der Politik geführt, um die Belange der Generation 60plus in den Fokus zu rücken.

Aggelidis: Ehrenamt fördern

Mehr politische Unterstützung für seniorengerechte Verbesserungen der Infrastruktur, insbesondere im ländlichen Raum, forderte der Vorsitzende der dbb bundesseniorenvertretung Horst Günther Klitzing am 13. Januar 2020 in einem Gespräch mit dem seniorenpolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Grigorios Aggelidis.

„Die größte Herausforderung für die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land sind die Verkehrs-, aber auch die digitale und soziale Infrastruktur. Es muss verhindert werden, dass ländliche Regionen weiter abgehängt werden“, so Klitzing. Älteren Menschen müsse Teilhabe in allen Bereichen des sozialen Lebens ermöglicht werden.

Daneben war die Förderung des Ehrenamtes Gegenstand des Gesprächs. „Gerade Senioren engagieren sich oft ehrenamtlich. Hier gilt es, Barrieren abzubauen und immer wieder auch auf die bestehenden Möglichkeiten hinzuweisen. Ehrenamtliches Engagement ist der Kitt, der die Gesellschaft und damit auch die Generationen zusammenhält“, erläuterte Klitzing. Der Vorsitzende der dbb Senioren und Aggelidis waren sich darin einig verhindern zu wollen, dass bürokratische Anforderungen die eigentliche ehrenamtliche Tätigkeit überlagern. „Dann haben alle etwas vom Ehrenamt: sowohl die ehrenamtlich Engagierten, die sich sinnstiftend einbringen können, als auch die, denen die Tätigkeit unmittelbar zugutekommt“, so der Chef der dbb Senioren.

Werner: Teilhabe sichern

Bessere finanzielle Möglichkeiten im kommunalen Bereich für Investitionen in die Infrastruktur: Diese Forderung erhoben Horst Günther Klitzing und der stellvertretende Vorsitzende der dbb Senioren Klaus-Dieter Schulze in einem Gespräch mit der Sprecherin für Familie und Senioren der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Katrin Werner, am 17. Januar 2020 in Berlin. Während sich Werner mit den dbb Senioren einig darüber war, dass die Teilhabe an kulturellen Angeboten oder am gesellschaftlichen Miteinander insbesondere im ländlichen Raum nicht an Kompetenzgerangel zwischen Institutionen und politischen Ebenen scheitern dürfe, gingen die Auffassungen bei der einheitlichen Kranken- und Pflegeversicherung auseinander: „Hier ist es für uns essentiell, dass das erfolgreiche duale Krankenversicherungssystem einschließlich der beamtenrechtlichen Beihilferegelungen beibehalten werden muss“, betonte Klitzing. Seitens der Fraktion DIE LINKE wurde dagegen das Konzept der Bürgerversicherung vertreten, das der dbb aus Gründen der Kosteneffizienz und aufgrund beamtenrechtlicher Grundsätze ablehnt.

Von Schwanenflügel: Pflege stärken

In einem Meinungsaustausch, den Klitzing und Schulze mit Ministerialdirektor Matthias von Schwanenflügel, Leiter der Abteilung 3 – Demografischer Wandel, ältere Menschen, Wohlfahrtspflege im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) führten, ging es am 17. Januar 2020 zunächst um den 7. Altenbericht der Bundesregierung „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften“. Klitzing forderte dessen Umsetzung und damit die Stärkung der ländlichen Regionen. Die Gesprächspartner waren sich einig darüber, dass die Sicherung der Pflege in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt: Der Pflegeberuf müsse attraktiver gestaltet werden, um Pflegepersonal zu gewinnen. Von vergleichbarer Bedeutung sei die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch wenn über die Umsetzung des 7. Altenberichts weiterhin diskutiert wird, soll der 8. Altenbericht „Ältere Menschen und Digitalisierung“ im Frühsommer 2020 veröffentlicht werden.

Ruge: Digitalisierung hinkt

In einem Gespräch mit dem Beigeordneten beim Deutschen Landkreistag Kay Ruge fragte Klitzing insbesondere nach Projekten und Modellvorhaben im ländlichen Raum zur Verbesserung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und nach entsprechenden Kooperationen. Ruge bestätigte, dass es eine Vielzahl von einzelnen Projekten in den Landkreisen gebe, beispielsweise zur Mobilität oder zum Themenfeld „Smartes Wohnen im Alter“. Digitalisierung und Pflege seien weitere Schwerpunktthemen. Problematisch sei - nicht nur für Seniorinnen und Senioren -, dass Deutschland großen Nachholbedarf in der Glasfaserversorgung habe. Viele der derzeit diskutierten Konzepte zur Verbesserung sozialer Infrastruktur scheiterten an der schlechten digitalen Infrastruktur. Der Deutsche Landkreistag und die Landkreise seien daher für jede Kooperation dankbar. Problematisch sei jedoch auch die finanzielle Ausstattung der Kommunen. Klitzing betonte, dass die besonderen Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren hinsichtlich der Nutzung digitaler Möglichkeiten besser berücksichtigt werden müssen. „Nur so kann der ländliche Raum auch für Menschen über 60 ein attraktiver Lebensmittelpunkt bleiben.“

 

„Gleichwertige Lebensverhältnisse, infrastruktureller Ausbau, Ehrenamt und gesellschaftliche Teilhabe sind keine reinen Seniorenthemen“, fasste der dbb Seniorenchef die Gesprächsreihe zusammen. Vielmehr profitiere die ganze Gesellschaft davon, wenn die Politik generationenübergreifend agiere.

 

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