Silberbach im Interview

Digitalisierung: Schutz, Fortbildung und Freiräume für Beschäftigte

  • Digitalisierung des öffentlichen Dienstes

Im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung (Ausgabe vom 2. November 2019) fordert dbb Chef Ulrich Silberbach eine umfassende Digitalisierungsstrategie für den öffentlichen Dienst in Deutschland.

„Wir haben ein Digitalkabinett, Kanzleramtschef Braun als Koordinator, die Staatsminister Bär und Hoppenstedt, und wir haben in jedem Bundesministerium und jeder Bundesbehörde Stäbe, die sich mit der Digitalisierung beschäftigen. Da fragen wir uns: Wird da mehr gegeneinander als miteinander geplant? All die guten Ansätze müssen zusammengebracht werden, damit man mit den Ländern eine gemeinsame Digitalstrategie entwickeln kann,“ so Silberbach.

 

Häufig sei das Thema eGovernment bei den Kolleginnen und Kollegen mit Ängsten um den eigenen Arbeitsplatz oder vor den neuen technologischen Anforderungen verbunden. Diese Sorgen müsse man ernstnehmen und zu entkräften versuchen. Silberbach: „Wegen der demografischen Entwicklung kriegen wir heute schon schwer Nachwuchs. Die künstliche Intelligenz kann viele Routinearbeiten übernehmen. Damit schaffen wir Freiräume für die Beschäftigten, mehr zu beraten und für die Menschen da zu sein. Da darf man nicht mit Angst operieren. Wir ermahnen die Arbeitgeber, beim Nachwuchs in die richtigen Leute zu investieren und das vorhandene Personal zu qualifizieren.“

 

Gewerkschaften und Bundesinnenministerium würden deshalb Gespräche über tarifvertragliche Regelungen zur Digitalisierung des öffentlichen Dienstes aufnehmen, erläuterte der dbb Chef „Die Arbeitgeber werfen uns schon vor, wieder nur den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen anzustreben. Klar, das ist Kernaufgabe einer Gewerkschaft. Aber wir müssen uns auch mit den neuen Arbeitsmethoden beschäftigen. Bei den Themen entgrenztes Arbeiten, permanente Erreichbarkeit und Home-Office erwarten die Menschen von uns Regelungen und Schutz. Ebenso gilt es darauf zu achten, dass Künstliche Intelligenz nicht zur Überwachung und Selektion dient. Wir wollen da einige Eckpunkte definieren und dem Innenministerium eine tarifvertragliche Lösung anbieten, um auf der einen Seite für die Beschäftigten Sicherheit zu bekommen und auf der anderen Seite durch klare Regelungen mehr Geschwindigkeit aufzunehmen. Man muss Digitalisierung, Demografie und moderne Arbeitskonzepte übereinander bringen und in eine kohärente Strategie für den öffentlichen Dienst umsetzen.“

 

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