Aktionstag „Pflegende Angehörige“

Besserstellung pflegender Angehöriger gefordert

Pflege in Deutschland lebt auch vom Engagement der Angehörigen. Über 2,6 Millionen Menschen werden mittlerweile zu Hause versorgt, das entspricht drei Vierteln aller Pflegebedürftigen. Der dbb fordert, die Angehörigen bei dieser Aufgabe besser zu unterstützen.

„Es sind alleine die Angehörigen, die den Pflegebedürftigen ihren häufig größten Wunsch erfüllen können: Nicht in ein Heim umziehen zu müssen, sondern in ihrem vertrauten Umfeld bleiben zu können“, sagte der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach am 8. September 2020, dem Aktionstag „Pflegende Angehörige“. „Aber die Pflege in den eigenen vier Wänden ist für alle Beteiligten natürlich auch eine große Herausforderung, deshalb brauchen die Familien vom Staat mehr Hilfe und Unterstützung.“

 

Gerade während der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, dass beispielsweise die externe Hilfe von Pflegediensten bei der Morgenwäsche aufgrund der Kontakteinschränkungen schlicht entfallen musste. Die dafür vorgesehenen Entlastungsbeträge konnten deshalb vielfach nicht verwendet werden. Horst Günther Klitzing, Vorsitzender der dbb senioren, erklärte dazu: „Wir haben uns dafür eingesetzt, dass diese Beträge nicht verfallen, sondern ins Folgejahr übertragen werden können. Die entsprechende Regelung soll jetzt auch erneut verlängert werden. Das hilft ungemein, auch wenn wir uns diesbezüglich mehr Aufklärung durch die Pflegekassen wünschen würden.“

 

Darüber hinaus engagiert sich der dbb als ständiges Mitglied im von der Bundesregierung eingesetzten Beirat zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf – und erarbeitet in dieser Funktion gerade ein Konzept für eine steuerfinanzierte Entgeltersatzleistung, angelehnt an die Regelungen im Elterngeld- und Elternzeitgesetz. Es soll zur finanziellen Absicherung von Menschen beitragen, die einen befristeten (Teil-) Ausstieg aus dem Berufsleben erwägen, um einen Angehörigen zu Hause zu pflegen. „Die derzeitige Möglichkeit, ein unverzinstes Darlehen zu erhalten, dass man im Anschluss an eine Teilzeitphase abstottern muss, ist de facto keine Option. Deshalb machen wir uns für eine prozentuale Entgeltersatzleistung stark. Damit würde auch ein wichtiger Schritt unternommen, um Altersarmut zu verhindern. Denn bei der bisherigen rentenrechtlichen Berücksichtigung der Angehörigenpflege ist noch viel Luft nach oben“, so dbb Chef Silberbach. Das unterstützt auch Milanie Hengst, Vorsitzende der dbb frauen: „Nach wie vor sind es größtenteils Frauen, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern. Mit Entgeltpunkten zur Erhöhung der Rentenanwartschaft bekämpfen wir jedoch nur die Symptome. Um den Ursachen zu begegnen, braucht es dringend Anreize für mehr Partnerschaftlichkeit in der häuslichen Pflege.“

 

Neben den Pflegenden und ihren Angehörigen entlastet die Versorgung Zuhause auch das ohnehin knappe Personal in den Pflegeeinrichtungen. „Und diejenigen, die jetzt wieder jammern und zetern, was das alles kosten wird, sollten sich bewusst machen, dass die Pflege in den eigenen vier Wänden immer noch wesentlich günstiger als die vollstationäre Unterbringung ist. Ein weiterer Grund, am heutigen Tag den Frauen und Männern, die einen lieben Angehörigen zu Hause versorgen, auch einfach mal Danke zu sagen“, so Silberbach.

 

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