Risiko: Jung in Europa

  • Geld in der Tasche

„Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist und bleibt eines der wichtigsten Themen für die EU“, sagt Sandra Kothe, Vorsitzende der dbb jugend. Ein aktueller Bericht der europäischen Statistikbehörde Eurostat zeige den Ernst der Lage. Demnach sind 21 Prozent der Jugendlichen aus Europa ohne Beschäftigung und befinden sich auch nicht in einer Ausbildung. Allein in Deutschland haben über die Hälfte der 15- bis 24-Jährigen und immerhin ein Fünftel der 25- bis 29-Jährigen nur befristete Arbeitsverträge. 20 Prozent der unter 30-Jährigen arbeiten in Teilzeit. „Etwa ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten sind gegen ihren Willen in Teilzeit und wollen eigentlich Vollzeit arbeiten, das sind besorgniserregende Zahlen“, so Kothe.

In dem Eurostat-Bericht heißt es, befristete Verträge seien unter Jugendlichen üblich, wenn sie in den Arbeitsmarkt einsteigen. Diese Art von Verträgen erlaube Anpassun-gen an den Arbeitsmarkt. Junge Menschen ohne Arbeitserfahrung seien eher gewillt, dies zu akzeptieren. „Außerdem nutzen die Arbeitgeber die befristeten Verträge oft dazu, die Fähigkeiten von Mitarbeitern einzuschätzen, bevor sie ihnen eine feste Stelle anbieten“, so eine Formulierung aus dem Bericht.

 

„Diese Menschen können sich keine sichere Zukunft aufbauen. Ihnen entstehen Lücken in der Altersversorgung, sie werden oftmals nicht entsprechend ihrer Qualifikation bezahlt“, kritisiert Kothe. Ein weiteres Problem sei der hohe Anteil unfreiwillig Teilzeitbeschäftigter. Es gebe zwar häufig gute Gründe für eine verminderte Arbeitszeit – viele junge Menschen gründen eine Familie oder wollen sich fortbilden – doch häufig sei die Teilzeit nicht selbst gewählt, hebt Kothe hervor. Vielmehr fehlte etwa das Angebot oder andere Zwänge verhinderten eine Vollzeitbeschäftigung. „Nach solchen Zahlen schmecken positive Darstellungen von befristeten Verträgen und Teilzeitarbeit doch ziemlich bitter.“

 

Dass befristete Beschäftigung mittlerweile für junge Leute beinahe zum Regelfall geworden ist, sei inakzeptabel, so die dbbj-Chefin. „Die jungen Berufseinsteiger in solchen Jobs ausharren zu lassen, geht nicht“, kritisiert sie. „Wir fordern mehr Normalarbeitsverhältnisse, also unbefristete Vollzeitstellen, statt zunehmender prekärer Beschäftigung für Jugendliche.“ Das gelte auch für den öffentlichen Sektor, wo es eine sehr große Anzahl befristeter Verträge und Teilzeitverträge gebe.