Lebensmittel

Spendenpflicht statt Wegwerfkultur

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Die dbb bundesseniorenvertretung fordert neue gesetzliche Regelungen für die Verwertung überschüssiger Lebensmittel. Das sei dringend notwendig, damit bedürftige Menschen besser und vor allem würdevoll mit Lebensnotwendigem versorgt werden können, sagte der Vorsitzende der dbb bundesseniorenvertretung Horst Günther Klitzing am 31. Januar 2019 in Berlin.

Am 30. Januar waren zwei Studentinnen vom Amtsgericht Fürstenfeldbruck wegen Diebstahls verurteilt worden, weil sie Lebensmittel im Wert von rund 100 Euro aus einem Abfallcontainer eines Supermarktes gefischt hatten.

 

Zwar sei die Strafe sehr milde ausgefallen. Dennoch werfe dieser Prozess ebenso wie ähnliche andere vor ihm eine grundsätzliche gesellschaftliche Frage auf, stellte Klitzing fest: „Auch Senioren, die am Existenzminimum leben, sind wiederholt dafür verurteilt worden, weil sie im Müll der Supermärkte nach Verwertbarem gesucht haben. In der Bundesrepublik wird das rechtlich immer noch als Diebstahl behandelt. Eine reiche Industrienation wie Deutschland muss sich fragen lassen, ob solche Gesetze in Anbetracht der immer weiter auseinanderklaffenden sozialen Schere zeitgemäß und menschenwürdig sind“, sagte Klitzing und verwies darauf, dass Supermärkte und Lebensmittel verarbeitende Betriebe überschüssige oder ablaufende Nahrungsmittel unter Einhaltung bestimmter Kriterien zwar spenden können, dies aber nicht müssen.

 

„In Frankreich gibt es mittlerweile ein Gesetz, das Industrie und Märkte zur Abgabe nicht mehr verkäuflicher Lebensmittel an soziale Einrichtungen zwingt. Die Erfahrungen sind durchaus positiv. Der Gesetzgeber könnte hier mit relativ wenig Aufwand viel für die Linderung sozialer Not und gegen die Vernichtung von Lebensmitteln tun“, so Klitzing.

 

Nach Informationen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft werden zwischen zehn und 40 Prozent der weltweit produzierten Lebensmittel nicht verzehrt, sondern aus unterschiedlichen Gründen entsorgt. In Deutschland werden nach einer vom ehemaligen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geförderten Studie der Universität Stuttgart rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr von Industrie, Handel, Großverbrauchern und Privathaushalten weggeworfen.

 

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