Termin im BMFSFJ mit Staatssekretärin Ferner

Dienstliche Beurteilung: Frauenförderung muss beförderungsrelevant sein

  • Elke Ferner und Helene Wildfeuer Parlamentarische Staatssekretärin im BMFSFJ Elke Ferner (links) und die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung Helene Wildfeuer.

Haupthindernis für das Fortkommen von Frauen im öffentlichen Dienst des Bundes sieht die dbb bundesfrauenvertretung in den nicht mehr zeitgemäßen Beurteilungsroutinen begründet. Darauf verwies die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung Helene Wildfeuer im Gespräch mit der Parlamentarischen Staatsekretärin Elke Ferner im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin am 11. April 2016. „Wenn wir über bessere Aufstiegschancen für Frauen im öffentlichen Dienst sprechen, dann müssen wir die dienstlichen Beurteilungen kritisch prüfen. Zwar sind die einzelnen Bewertungskriterien geschlechtsneutral formuliert. In ihrer Wirkung folgen sie jedoch dem klassischen Rollenverständnis“, erläuterte die Vorsitzende.

Neben einer zeitgemäßen Führungskultur, die „Teamfähigkeit und kollegiales Miteinander als wichtige Führungsqualitäten“ anerkenne, sei vor allem die gezielte Schulung und eine stärkere Kontrolle der Beurteilenden dringend notwendig, so Helene Wildfeuer. „Die erfolgreiche Umsetzung der gesetzlich vorgeschriebenen Frauenförderung muss einen zentralen Stellenwert bei der dienstlichen Beurteilung von Personalverantwortlichen und Führungskräften ab Teamleitung aufwärts einnehmen.“

 

Insbesondere die stark an Präsenzzeiten ausgerichtete Auffassung von Arbeitsleistung bei der dienstlichen Beurteilung sieht Helene Wildfeuer in der Kritik. „Anwesenheit im Büro ist in vielen Dienststellen noch immer maßgebend für die Leistungsbewertung. Wer aber Teilzeit oder Telearbeit nutzt, was vorwiegend Frauen tun, fällt dann sehr wahrscheinlich durchs Raster und verpasst den Einzug in die Riege der Beförderungswürdigen.“

 

Auffällig sei zudem, dass Männer hinsichtlich Flexibilität, Verantwortungsbewusstsein und Durchsetzungsvermögen überdurchschnittlich besser bewertet würden als Frauen. „Weibliche Beschäftigte punkten eher bei sogenannten ‚weichen‘ und damit nicht vorrangig beförderungsrelevanten Kriterien wie Teamfähigkeit und Sozialkompetenz“, erläuterte Helene Wildfeuer. „In der Bewertung werden Geschlechterstereotype, die am Arbeitsplatz vorherrschen, deutlich sichtbar. Das ist nicht nur diskriminierend, es sagt auch viel über die Führungskultur in der jeweiligen Dienststelle aus.“

 

 

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