Corona-Pandemie

Systemrelevante Berufe aufwerten: Nur Klatschen reicht nicht

  • Krankenpflegerin mit Patientin

Die dbb bundesfrauenvertretung fordert eine schnelle und nachhaltige Antwort der Politik auf die besonderen Auswirkungen der aktuellen Krisensituation auf Frauen im öffentlichen Dienst.

„Zwei Drittel der systemrelevanten Berufe – von der Pflege alter und kranker Menschen bis hin zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten – liegen in den Händen weiblicher Beschäftigter. Und gerade in diesen Bereichen werden mitunter die schlechtesten Branchenlöhne bezahlt. Gleichzeitig sehen sich viele Frauen und ganz besonders Alleinerziehende durch Schul- und Kitaschließungen einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt. Es geht um die schiere Existenzerhaltung. Sie alle verdienen mehr als Applaus. Sie verdienen eine finanzielle Aufwertung ihrer gesellschaftlich wichtigen Arbeit“, betonte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, am 3. April 2020.

 

Eine bessere Bezahlung der Beschäftigten, weitreichender Arbeitsschutz, langfristig gute soziale Absicherung auch im Alter sowie eine bessere personelle Ausstattung in den systemrelevanten Bereichen, die zu einem erheblichen Teil in der Verantwortung des öffentlichen Dienstes liegen, müssten jetzt dringend auf den Weg gebracht werden. „Wir müssen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern, dass Frauen zu den Verliererinnen der Krise werden. Die besonderen Auswirkungen der aktuellen Krisensituation auf Frauen im öffentlichen Dienst müssen genau analysiert werden, um passgenaue Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Dazu gehört auch eine konsistente und nachhaltige Gleichstellungspolitik, die strukturelle Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts konsequent bekämpft“, forderte die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung.

 

Auch die gleichstellende Wirkung der Digitalisierung der Arbeitswelt müsse dafür gezielt genutzt werden. „Noch nie zuvor haben so viele Menschen in den öffentlichen Verwaltungen zur gleichen Zeit mobil und im Homeoffice gearbeitet wie jetzt. Das ist ein gewaltiges Experiment, in dem eine riesige Chance liegt: um gängige Vorurteile gegenüber mobilem Arbeiten abzubauen und, um eine beschäftigtenfreundliche Behördenpraxis im Homeoffice einzuüben. Wir sehen in dieser Ausnahmesituation sehr gut, unter welchen Bedingungen sich mobiles Arbeiten als Instrument zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie tatsächlich eignet. Und wir bekommen einen flächendeckenden Praxistest, wie Führen von Teams aus der Ferne und in Teilzeit effektiv organisiert werden kann und wie Aufstiegspositionen dank digitaler Hilfsmittel familienphasenorientiert gestaltet werden können. Das müssen wir für die Zukunft nutzen“, so Wildfeuer.

 

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