Gleichstellungsindex der Bundesregierung

Frauenanteil in Führungspositionen der obersten Bundesbehörden steigt zu langsam – Beurteilungsverfahren reformieren

Mit Blick auf die Ergebnisse des Gleichstellungsindex der Bundesregierung hat die dbb bundesfrauenvertretung weitere Maßnahmen zur Frauenförderung in den obersten Bundesbehörden gefordert. „Seit der Einführung des Gleichstellungsindex im Jahr 2015 ist der Anteil an Frauen in Führung um 2,7 Prozent von 32,6 auf 35,3 Prozent gestiegen. Das ist eine positive, aber sehr langsame Entwicklung. Hier fordern wir von der Bundesverwaltung mehr Engagement und gezielte Maßnahmen bei der Personalentwicklung“, sagte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, am 30. Januar 2018.

Öffentliche Absichtserklärungen und gesetzliche Quotenvorgaben wie im Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen festgeschrieben, seien zwar ein guter Anfang, reichten nach Auffassung Wildfeuers aber nicht aus, um den Frauenanteil unter den Führungskräften in gefordertem Maße zu erhöhen. „Gerade die Beurteilungs- und Beförderungsverfahren im öffentlichen Dienst sind anfällig für geschlechterbedingte Diskriminierungen. Noch immer geben überkommene Rollenklischees oft den Ausschlag dafür, wer befördert wird und wer nicht. Eine aktuelle Studie des DBB NRW und der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung des Landes NRW zeigt, dass vor allem Teilzeitbeschäftigte – und damit vor allem Frauen, signifikant schlechter in ihrer Leistungsbeurteilung abschneiden und infolge seltener in Führungspositionen aufsteigen“, so Wildfeuer. Die Ursachen liegen der Studie zufolge vor allem in den Beurteilungsverfahren selbst begründet. Mit männlichen Attributen verknüpfte Leistungsmerkmale wie Durchsetzungsvermögen oder Einsatzbereitschaft wiesen einen größeren Stellenwert auf als solche, die klassisch mit weiblichen Fach- und Führungskompetenzen wie etwa Sozialverhalten oder Kommunikationsstärke verknüpft würden.

 

Um die stereotypen Beurteilungsmuster erkennen zu können, fordert Wildfeuer die öffentlichen Arbeitgeber und Dienstherren auf, die Beurteilungsverfahren vor allem auch transparenter zu gestalten. „Vielerorts fehlen Beurteilungsstatistiken, die nach Teilzeit/Vollzeit und Männern/Frauen aufgeschlüsselt sind. Außerdem müssen die Leistungskriterien, die der dienstlichen Beurteilung zugrunde liegen, auf ihr Diskriminierungspotenzial hin überprüft und angepasst werden. Die dienstliche Beurteilung ist ausschlaggebend dafür, wer für ein Beförderungsamt in Frage kommt und wer nicht. Die Leistung von Teilzeitkräften muss nach den gleichen Gesichtspunkten bewertet werden wie die von Vollzeitkräften“, so Wildfeuer.

 

Der Gleichstellungsindex der Bundesregierung sollte zudem für alle Verwaltungen Vorbildfunktion haben. „Wir vermissen ähnlich stringente Statistiken auf der Landes- und Kommunalebene, dort besonders für die Unternehmen der öffentlichen Hand“, unterstrich Wildfeuer.

 

Die wichtigsten Ergebnisse des Gleichstellungsindex 2017 der Bundesregierung:

 

  • Insgesamt sind in den obersten Bundesbehörden mit 53,7 Prozent etwas mehr Frauen als Männer beschäftigt. Den höchsten Frauenanteil an den Beschäftigten verzeichnet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit 72 Prozent (2016: 71 %), gefolgt vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) mit 68 Prozent (2016: 70 %) und vom Bundesministerium für Gesundheit mit 65 Prozent (2016: 64 %). Im höheren Dienst in allen obersten Bundesbehörden (ohne Bundesbank) liegt der Frauenanteil bei 46 Prozent (2016: 45 %).
     
  • Nur knapp ein Drittel (35,3 %; 2016: 34 %) aller Beschäftigten im höheren Dienst mit Vorgesetzten- und Leitungsaufgaben in den obersten Bundesbehörden sind Frauen. Spitzenreiter ist das BVerfG mit einem Frauenanteil in Leitungspositionen in Höhe von 60 Prozent (2016: 50 %), den geringsten Frauenanteil in diesem Bereich hat der Bundesrechnungshof (BRH) mit 23 Prozent (2016: 22 %), gefolgt vom Auswärtigen Amt mit 25 Prozent (2016: 25,5 %). Damit waren zum 30. Juni 2017 in 21 von 23 (2016: 20 von 23) obersten Bundesbehörden (ohne Bundesbank) weniger Frauen als Männer in Leitungsfunktionen.
      
  • Dabei gilt weiterhin: Je höher die Hierarchiestufe, desto niedriger der Frauenanteil. 37 Prozent aller Referate (2016: 36 %) in obersten Bundesbehörden (ohne Bundesbank) werden von Frauen geleitet. Spitzenreiter sind das BMFSFJ mit 58 Prozent (2016: 57 %) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 51 Prozent (2016: 48,5 %). Schlusslicht bildet der BRH mit 23 Prozent (2016: 21,4%). Der Frauenanteil bei den Unterabteilungsleitungen beträgt insgesamt 27 Prozent (2016: 26 %). Eine Ausnahme bildet hier das Bundespräsidialamt, dort sind alle Unterabteilungsleitungen mit Frauen besetzt (2016: 50 %). Den geringsten Frauenanteil an Unterabteilungsleitungen weist das Presse- und Informationsamt des Bundes mit 12,5 Prozent (2016: 20 %) auf. Der Frauenanteil bei den Abteilungsleitungen einschließlich Direktorinnen und Direktoren liegt insgesamt bei 29 Prozent (2016: 27,5 %) und beträgt im BMFSFJ und im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung jeweils 60 Prozent (2016: BMFSFJ: 60 %, BMZ: 50 %), gefolgt von 57 Prozent (2016: 57,1 %) im Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz. Die geringsten Frauenanteile innerhalb dieser Hierarchieebene haben das Bundesministerium des Innern mit 9 Prozent (2016: 9,1 %) und das Bundeskanzleramt mit 13 Prozent (2016: 12,5 %). Auf Ebene der Staatssekretäre und Staatsekretärinnen beträgt der Frauenanteil in allen obersten Bundesbehörden lediglich 21 Prozent (2016: 20%). Von den insgesamt 21 obersten Bundesbehörden verfügen 7 über keine Frau auf Staatssekretärsebene (unverändert im Vergleich zu 2016).
      
  • Lediglich 10 Prozent aller Beschäftigten in den obersten Bundesbehörden mit Leitungs- und Führungsaufgaben im höheren Dienst arbeiten in Teilzeit, davon sind 75 Prozent Frauen (2016: 78%). Im höheren Dienst sind 80 Prozent (2016: 81 %) aller Teilzeitbeschäftigten Frauen. Dies trägt laut Gleichstellungsindex zu dem geringen Anteil von Frauen in Leitungsfunktionen bei.

 

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