Familienpolitik

Eltern brauchen mehr Flexibilität

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Immer mehr Väter und Mütter wollen sich Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung gleichberechtigt teilen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Bundesfamilienministeriums hervor. Die dbb bundesfrauenvertretung fordert deshalb, flexible Arbeitszeitmodelle zum Beschäftigungsstandard zu machen.

„Arbeitgebende und die Bundespolitik können nicht länger ignorieren, dass die Hälfte der Eltern eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit für sich beansprucht. Neben dem Ausbau von Ganztagsbetreuungsangeboten für Schulkinder müssen vor allem individualisierbare Arbeitszeitmodelle zum Standard werden“, machte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, am 10. September 2019 deutlich.

 

Der öffentliche Dienst sei im Bereich der flexiblen Arbeitszeitgestaltung schon sehr weit: „Aber auch hier ist Luft nach oben. Das Potenzial, das der digitale Wandel den Dienststellen bietet, etwa bei der ortsunabhängigen Arbeitsorganisation, ist noch längst nicht ausgeschöpft. Hier müssen Bund und Länder noch mehr Geld und Knowhow investieren, um die Arbeitsplätze der Zukunft auch im Sinne der Familienfreundlichkeit zu gestalten“, stellte Wildfeuer heraus.

 

Mit Blick auf die geplante Reform des Elterngeldes forderte Wildfeuer die zuständige Bundesministerin auf, das familienpolitische Instrument an die aktuellen Wünsche der Eltern anzupassen: „Bisher bildet das Elterngeld eine Realität ab, in der sich die bisherigen Verhältnisse von langen Elternzeiten für Mütter und kurzen für Väter weiter reproduzieren. Dabei müssen gerade Väter in ihren Wünschen, längere Betreuungszeiten nehmen zu können, gestärkt werden. Eine gesetzliche Regelung, die den Mindestbezugszeitraum des Elterngeldes für den zweiten Anspruchsberechtigten ausweitet, könnte hier ein starkes Signal sein“, so Wildfeuer.

 

Hintergrund:

Nach einer aktuellen Umfrage zum Thema Familie und Familienpolitik im Auftrag des Bundesfamilienministeriums geben etwa 46 Prozent der befragten Väter und Mütter an, sie fänden es gut, wenn beide Elternteile gleichermaßen arbeiten gingen und sich Haushaltstätigkeiten und Kinderbetreuung teilten. Noch vor zwölf Jahren favorisierte nur rund ein Drittel der Befragten eine solche partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit. Darüber hinaus sagen heute 84 Prozent der Bevölkerung, dass ein Vater so viel Zeit wie möglich mit den Kindern verbringen sollte. 80 Prozent meinen zudem, er sollte die beruflichen Pläne seiner Partnerin unterstützen. Die Umfrage hatten Bundesfamilienminsterin Franziska Giffey und Prof. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, am 9. September 2019 in Berlin vorgestellt. Rund 1.200 Personen wurden zwischen dem 1. Februar und 15. August 2019 befragt.

 

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