Personalmangel

Öffentlicher Dienst: „Die Kollegen gehen auf dem Zahnfleisch“

Der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach hat erneut auf die konkreten negativen Auswirkungen des eklatanten Personalmangels im öffentlichen Dienst hingewiesen.

„Alleine in den Finanzämtern sind 11.000 Stellen unbesetzt. Dort fehlen Beschäftigte, die dafür sorgen, dass der Staat die Steuern einnehmen kann, die ihm zustehen und die er für die Bewältigung seiner Aufgaben benötigt“, sagte der dbb Bundesvorsitzende im Interview mit dem General-Anzeiger Bonner (Ausgabe vom 6. Januar 2018). Auch in vielen anderen Bereichen herrsche Personalnotstand. „Die Kollegen gehen auf dem Zahnfleisch. Es werden ohne Ende Überstunden gemacht. Der öffentliche Dienst bekommt immer mehr Aufgaben, aber nicht das notwendige Personal. So geht es nicht weiter.“ Zudem fühlten sich viele Beschäftigte unterbezahlt und nicht ausreichend wertgeschätzt: „Die Kollegen haben von Seiten der Politik in den vergangenen Jahren immer nur um die Ohren bekommen.“

 

Nach Einschätzung des dbb und seiner Mitgliedsgewerkschaften fehlen über 200.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst, vor allem in den Ländern und Kommunen. So werden alleine 130.000 zusätzliche Erzieher benötigt sowie 32.000 Beschäftigte an Schulen. Aber nicht nur Bildung und Erziehung sind betroffen, sondern auch Sicherheit und Ordnung: Denn bei den Polizeikräften von Bund (500) und Ländern (8.000) fehlt ebenso Personal wie in der Justiz (3.000) und bei den Feuerwehren (4.000). Hinzu kommen weitere Lücken, etwa beim Zoll, im öffentlichen Gesundheitsdienst, in der allgemeinen Verwaltung und bei den Jobcentern.

 

„Uns fehlen Leute an allen Ecken und Enden“, hatte Silberbach bereits am 3. Januar gegenüber der Nachrichtenagentur dpa betont. „Durch seit Jahren fehlende Neueinstellungen steigt der Altersdurchschnitt beim vorhandenen Personal immer weiter und alleine in den nächsten 15 Jahren werden circa 1,5 Millionen Kolleginnen und Kollegen altersbedingt ausscheiden. Zieht man davon die zu erwartenden Neueinstellungen ab, bleibt – rechnerisch – eine Personallücke von mehreren hunderttausend Beschäftigten, die dem öffentlichen Dienst bei seiner Aufgabenerfüllung fehlen werden.“

 

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