dbb magazin 12/2023

JOB-PORTRAIT Die Finanzbeamtin Wenn Eltern ihre Kinder von der Steuer absetzen wollen Eine Finanzbeamtin schildert ihren Werdegang und gibt Einblicke in ihren Berufsalltag. Manchmal erlebt sie bei den Steuererklärungen Kuriositäten. Es gibt Menschen, die wollen ihre Kinder von der Steuer absetzen – „wir bekommen dann eine Liste, in der sorgfältig alle Ausgaben für Windeln und Babybrei aufgeführt sind“, erzählt Lara Wiechers. Bemerkenswert auch: die Ehefrau, die das teure Geschenk für ihren Ehemann als außergewöhnliche Belastung angegeben hatte. Und mit den Werbungskosten ist das ebenfalls so eine Sache: Einmal wollte sich ein Arbeitnehmer seinen Urlaub erstatten lassen, weil er sich – so die Begründung – „mental auf seinen neuen Job vorbereiten musste“. In solchen Situationen wandern die Blicke im Büro hinüber zur Kollegin: Wie kommen die Leute darauf, dass so etwas geht? Was sich von der Steuer absetzen lässt und was nicht, damit kennt sich Lara Wiechers aus. Sie ist Finanzbeamtin in Göttingen und bearbeitet die Steuererklärungen von Selbstständigen und Gewerbetreibenden. „Das ist alles aufgeteilt, andere kümmern sich beispielsweise um die Arbeitnehmer, wiederum andere um die Kapitalgesellschaften“, erklärt die 28-Jährige. Zum täglichen Geschäft kommen unter anderem die Bearbeitung von Einsprüchen und Telefonate mit Menschen, die besondere Anliegen oder Fragen haben. „Jeder Fall ist anders, das macht die Arbeit abwechslungsreich und spannend.“ Seminar über Kryptowährungen Manche Kolleginnen und Kollegen entscheiden sich für den Job, weil in der Familie bereits jemand beim Finanzamt arbeitet – „aber die meisten haben in der Schule noch nie etwas vom Finanzamt gehört“, sagt Wiechers. „Und wenn, dann in der Regel, weil Mama und Papa über die Steuererklärung geflucht haben.“ So in etwa war es auch in ihrem Fall. Warum sie sich trotzdem für eine Ausbildung beim Finanzamt entschieden hat? Nach dem Abitur absolviert Wiechers ein Freiwilliges Soziales Jahr und verschiedene Praktika, das Überangebot an Studiengängen schreckt sie eher ab. Schließlich stellt sie fest, dass das Finanzamt alle Dinge bietet, die ihr im Berufsleben wichtig sind: Gleitzeit, die flexibles Arbeiten ermöglicht. Die Sicherheit des öffentlichen Dienstes. Und die Möglichkeit, innerhalb verschiedener Fachbereiche zu wechseln; niemand muss beim Finanzamt das gesamte Berufsleben dasselbe machen. „Und klar, der eine oder andere mag sich die Arbeit trocken vorstellen“, sagt die Beamtin. „Aber ich empfinde sie als sehr lebensnah“ – denn jedes Jahr gibt es neue Regelungen, entsprechend sind Weiterbildungen im Job wichtig. Ein Beispiel: Schulungen über Kryptowährungen, die heutzutage bei Steuererklärungen durchaus eine Rolle spielen. „Man staubt nicht ein und bleibt am Puls der Zeit.“ Elektronisch die Regel, analog die Ausnahme Berge von Aktenordnern, Formularen und Erklärungen auf Papier – ältere Kolleginnen und Kollegen sprechen oft über die Zeit vor der Digitalisierung, erzählt Wiechers. Inzwischen geben die meisten Menschen ihre Steuererklärung elektronisch ab, mithilfe von Softwarelösungen wie Elster, Wiso oder Taxflix. Papiererklärungen sind zwar noch erlaubt, denn das Finanzamt kann älteren Menschen, die möglicherweise keinen Computer und keinen InLara Wiechers arbeitet beim Finanzamt Göttingen. © dbb Foto: Colourbox.de INTERN 27 dbb magazin | Dezember 2023

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