dbb magazin 7-8/2019

Gemeinsammit Rechtsexper­ tinnen und Gleichstellungsan­ wältinnen legten die dbb frau­ en die Lücken der gesetzlichen Gleichstellung offen und disku­ tierten Lösungsangebote und neue Möglichkeiten für eine „Balance of Power“ der Ge­ schlechter. „Es kann doch nicht sein, dass wir im 21. Jahrhundert in einen Koalitionsvertrag schreiben müssen, dass die Bundesregie­ rung im öffentlichen Dienst die Teilhabe von Frauen und Män­ nern in Führungspositionen bis 2025 umsetzen will“, rügte der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach. Zudem sei dieses Vorhaben angesichts der „erheblichen Defizite bei der Besetzung von Leitungspositio­ nen mit weiblichen Führungs­ kräften ein durchaus ambitio­ niertes Ziel“. Silberbachs Appell: „Da geht definitiv noch mehr in Sachen Geschlechtergerechtig­ keit!“ Auch die Gewerkschaften nahm der dbb Chef bei diesem Thema selbstkritisch ins Visier: „Starke Gewerkschaften sind Frauenpolitische Fachtagung 2019 Geschlechtergerechtigkeit: „Da geht noch mehr!“ Die 15. Frauenpolitische Fachtagung der dbb bundesfrauenvertretung fragte am 3. Juni 2019 im dbb forum berlin, wie es 100 Jahre nach der Einführung des Wahlrechts und nach 70 Jahren Grundgesetz in Sachen Gleichstellung von Frauen und Männern tatsächlich aussieht. Denn so viel ist bekannt: Noch immer verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer, im Ruhestand müssen sie mit weniger als der Hälfte an Renteneinkünften aus­ kommen und auch die politische und wirtschaftliche Macht liegt, auch im öffentlichen Dienst, noch immer überwiegend in den Händen von Männern. ein Glück für die Demokratie mit ihrem Gestaltungswillen und ihrer Durchsetzungsstärke. Damit wir das auch in Zukunft sind und wirklich die Interessen aller unserer Mitglieder vertre­ ten, sage ich ganz klar: Wir brauchen mehr Kolleginnen. Auch dieses Ziel steht auf un­ serer Agenda für den gewerk­ schaftlichen Nachwuchs ganz oben“, machte Silberbach deut­ lich. Hier seien der dbb und sei­ ne Mitgliedsorganisationen allesamt gefordert. Mit Blick auf den digitalen Transformationsprozess warb Silberbach für die Chancen, die neue flexible Arbeitsformen auch für Frauen eröffneten, und sprach sich für mehr Ex­ perimentierfreude und Fehler­ toleranz aus. Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertre­ tung und Gastgeberin der Frau­ enpolitischen Fachtagung, warnte vor der zunehmenden Erosion der Gleichstellungszie­ le in Deutschland: „Der unvoll­ ständige Status quo steht auf der Kippe. Zum ersten Mal seit 1949 ist der Frauenanteil im Bundestag rückläufig, immer häufiger fahren rechtspopulis­ tische Kräfte Kampagnen ge­ gen staatliche Maßnahmen zur Förderung der Gleichstel­ lung von Frauen. Das sei ver­ fassungsfeindlich und zutiefst undemokratisch, so Wildfeuer. frauen << Ulrich Silberbach © Marco Urban (9) 30 dbb > dbb magazin | Juli/August 2019

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