DBB AKADEMIE Gemeinsam gegen Gewalt – Handlung statt Hilflosigkeit Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst ist keine Randnotiz. Sie ist Realität – Tag für Tag. Beleidigungen, Bedrohungen und tätliche Angriffe gehören für viele Mitarbeitende in Behörden, Krankenhäusern, Jobcentern, Ordnungsämtern oder im Nahverkehr längst zum Arbeitsalltag. Was viel zu oft noch als Einzelfall bezeichnet wird, ist in Wahrheit ein alarmierendes strukturelles Problem. Der jüngste, besonders erschütternde Höhepunkt: der Tod eines Bahnbediensteten im Dienst. Ein Mensch, der für die Allgemeinheit da war, verliert durch Gewalt sein Leben. Hinter dieser Tat steht nicht nur ein Schicksal, sondern ein dramatisches Warnsignal. Wir dürfen uns an solche Nachrichten nicht gewöhnen. Der dbb weist seit Langem auf die zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst hin. Doch Appelle allein reichen nicht mehr. Es braucht endlich entschlossenes Handeln – in der Politik, in den Dienststellen und im beruflichen Alltag. Ursachen liegen tiefer – Druck wächst Denn Gewalt entsteht nicht im luftleeren Raum. Viele Menschen stehen unter Druck: steigende Preise, wachsende Sorgen, immer kompliziertere Abläufe und das Gefühl, mit ihren Problemen allein zu sein. Die Hemmschwelle sinkt, der Ton wird härter, aus Frust wird Aggression. Und sie trifft ausgerechnet die, die unseren Staat am Laufen halten. Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel die Lage. Zu wenig Personal muss zu viel leisten. Wartezeiten werden länger, Verfahren zäher, Belastungen größer. Die Wut richtet sich dann gegen Beschäftigte, die weder Gesetze gemacht noch Personal eingespart haben – sondern lediglich ihre Arbeit tun. Gerade in Krankenhäusern und Verwaltungen zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich. Wenn Notaufnahmen überfüllt sind oder Termine in Ämtern lange auf sich warten lassen, entlädt sich der Frust an den Menschen vor Ort: an Pflegekräften, Ärztinnen und Ärzten, Sachbearbeitenden und Einsatzkräften. Sie müssen erklären, beruhigen, Grenzen setzen – und werden dabei selbst zur Zielscheibe. Verantwortung beginnt hier und jetzt Deshalb darf niemand in Hilflosigkeit verharren. Gewaltprävention beginnt nicht irgendwann, sondern jetzt. Personalräte können Dienstvereinbarungen anstoßen, Führungskräfte Schutzkonzepte umsetzen, Beschäftigte Missstände klar benennen. Oft helfen schon konkrete, gut durchdachte Maßnahmen: Notrufsysteme, klare Meldewege, Deeskalationstrainings oder bauliche Anpassungen. Vor allem aber braucht es eine klare Haltung: Gewalt darf niemals als persönliches Problem einzelner Beschäftigter abgetan werden. Wer den Staat repräsentiert, verdient Schutz, Rückhalt und Respekt. Es gibt Handlungsoptionen. Wir müssen sie nutzen – entschlossen, sichtbar und jetzt. Man sieht: So komplex und belastend das Thema Gewalt auch ist, es gibt diverse Handlungsalternativen, um für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst präventive Maßnahmen oder akute Hilfe umzusetzen. _ © SolStock (iStock) Dienstvereinbarung Gewaltprävention 2026 Q173 LB | 13. und 14. April 2026 (online) Gewalt im öffentlichen Dienst – Schutzkonzepte als präventive Maßnahmen 2026 Q333 LB | 9. und 10. Juni 2026 (Fulda) Gewaltprävention in herausfordernden Situationen – Eigensicherungskompetenz im Berufsalltag 2026 Q334 LB | 10. und 11. September 2026 (Fulda) Seminartipps „Sicherheit ist kein Glück: Sie ist Routine, Rückhalt und ein klarer Plan.“ 38 SERVICE dbb magazin | April 2026
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