dbb magazin 4/2026

troffenen einholen. Ein enormer Aufwand, der Ressourcen kostet. „Bisher hat es ausgereicht, dass uns alle informieren, die ihren Geburtstag nicht veröffentlicht sehen wollen. Wir brauchen keine abstrakten Regularien, sondern konkrete, die sich an der Lebensrealität der Menschen orientieren!“ Einheitliche Abfragesysteme schaffen Ulm gehört zu Baden-Württemberg, Neu-Ulm zu Bayern. Nur die Donau trennt die beiden Städte. „Wenn jemand in Ulm etwas klaut, kann ich über die Abfrage nicht feststellen, ob die Person in Bayern bereits auffällig geworden ist“, sagt Iris Bilek, stellvertretende Jugendleiterin der JUNGEN POLIZEI in Baden-Württemberg. Ihrer Erfahrung nach funktioniere die Vernetzung zwischen Polizeipräsidien in verschiedenen Bundesländern nur auf der Grundlage individueller Absprachen. Gebraucht werde jedoch ein System, das über die Zuständigkeitsgrenzen hinaus verbindlich funktioniert. Hinzu kommt, dass sich die Täter im digitalen Zeitalter nicht unbedingt dort befinden, wo sie ihre Taten begehen. Die Cyberkriminalität boomt. „Wenn die Geschädigte in Stuttgart wohnt und ich die Vermutung habe, dass der Täter in Köln sitzt, kann ich per Post eine Anfrage an die Kollegen schicken und hoffen, dass eine Antwort kommt. Das muss besser gehen.“ Dies hat die Politik erkannt: Mit dem Programm P20 will sie die IT-Architektur in Deutschland nach eigenen Angaben „harmonisieren und modernisieren“. Beteiligt sind die Bundespolizei, das Bundeskriminalamt, der Verfassungsschutz und die 16 Landespolizeibehörden. Doch es läuft nicht reibungslos. Für Bilek ist es nicht nachvollziehbar, dass die Bundesländer verfügbare digitale Anwendungen teils zu unterschiedlichen Zeitpunkten zur Verfügung stellen. Beispielsweise sei eine App, mit der sich Fingerabdrücke scannen lassen, in Baden-Württemberg erst ein halbes Jahr später verfügbar gewesen als in Hamburg. „Es ist schade, wenn die zügige Umsetzung von Verbesserungen an Verwaltungen scheitert.“ Und offene Baustellen bestehen nach wie vor. Um Anwendungen auf dem Smartphone zu nutzen, muss die Polizistin regelmäßig Passwörter ändern, die unterschiedliche Kriterien erfüllen müssen – und das gleich für mehrere Anwendungen. „Ich will mir nicht ständig über sichere Passwörter Gedanken machen, sondern einfach nur arbeiten.“ Schließlich gebe es bereits Software, die automatisch sichere Passwörter generieren könne. Insgesamt plädiert die Polizistin dafür, sich bei der Digitalisierung zunächst um die Basics zu kümmern. „Wenn einfache Abfragen, Schadensmeldungen oder auch das Beantragen von Sonderurlaub digital funktionieren, können wir auch die großen Dinge anpacken.“ Anwendungen müssen nutzbar sein Josefine Theden-Schow ist Referentin im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Ihr Job ist es, für die Beschäftigten im Ministerium digitale Lösungen zu entwickeln, mit denen sie effizient arbeiten können. Zuvor hat die Quereinsteigerin in der öffentlichen Verwaltung unter anderem für einen Medienkonzern und Organisationen im Non-Profit-Bereich gearbeitet. „Im Ministerium ist das Arbeiten schon anders“, sagt sie. Die Entscheidungswege seien lang, es gebe viele Hierarchien. „Außerdem müssen wir viel Übersetzungsarbeit leisten“ – heißt unter anderem: Vorgesetzte und Beschäftigte über die Chancen und Funktionen von digitalen Anwendungen informieren. Inzwischen gibt es im Ministerium eine eigene künstliche Intelligenz, die Mitarbeitende nutzen können. „Diese läuft über einen hauseigenen Server“, berichtet Theden-Schow. „So stellen wir sicher, dass Daten nicht in falsche Hände geraten.“ Generell nehme das Schreiben von Datenschutzkonzepten viel Raum ein, so die Referentin. Dabei unterstütze der Datenschutzbeauftragte des Ministeriums mit seiner Expertise. „Alle Anwendungen vom ITZBund kommen bei uns ohne Datenschutzkonzept an“ – sie frage sich, ob es zielführend sei, wenn jede Behörde für jede Anwendung ein eigenes Konzept vorlegen muss. Das ITZBund ist der zentrale IT-Dienstleister der Bundesverwaltung. In der Praxis läuft es oft so, dass Bundesländer – möglicherweise wegen des Prestiges – eigene Digitalisierungsprojekte starten, obwohl es anderswo bereits Vergleichbares gibt. Theden-Show plädiert für einen besseren Austausch von Wissen, auch zwischen den Bundesbehörden: „Ist es überhaupt erforderlich, alles neu zu entwickeln? Kann man etwas nutzen, was schon da ist und funktioniert? Was bietet der freie Markt?“ Dies seien die entscheidenden Fragen. „Und vor allem kommt es dann darauf an, dass wir immer die Perspektive derjenigen einnehmen, die eine Anwendung am Ende nutzen sollen.“ cdi Iris Bilek Josefine Theden-Schow INTERN 33 dbb magazin | April 2026

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