gen das Direktmandat sei, und auf welche Weise Direktkandidaten und -kandidatinnen aufgestellt werden. „Mein Plädoyer ist auch eines für Stichwahlen in den Wahlkreisen“, sagte der Sprecher der Gesellschaft Chancengleichheit e. V. und verwies darauf, dass Wahlkreise mitunter mit einem Stimmenanteil von nur etwa 20 Prozent gewonnen werden. Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, argumentierte mit der Geschichte ihrer Partei: „Wir sind aus der Frauenbewegung entstanden.“ Sie findet es „selbstverständlich, dass Frauen 50 Prozent der Macht haben“. Wichtig sei aus Sicht der Bundestagsabgeordneten, dass sich die Wahrnehmung ändere: „Wir brauchen ein diverseres Bild. Das macht etwas mit der Gesellschaft, wenn Mädchen sehen, dass Frauen auch an der Macht beteiligt sind.“ In Bezug auf die Diskussion der Regierungskoalition um die Paritätsgesetzgebung fordert Schauws Aktivität: „Wenn ich den Ball nicht auf den Elfmeterpunkt lege, erreiche ich dieses Ziel auch nicht“, und verwies darauf, dass die Grünen lange Erfahrung mit Quoten haben. Dieses Vorgehen ermutige „Frauen, die Hand zu heben“. Der Frauenanteil liegt bei 62 Prozent. „Die ganze Debatte um die Parität ist eine Frage der Macht“, meint Schauws. Wenn 50 Prozent der Abgeordneten im Bundestag Frauen wären, was wäre dann anders? „Es würde sich sehr viel ändern“, antwortete Carmen Wegge, Sprecherin für Recht und Verbraucherschutz der SPD-Bundestagsfraktion. Aktuell seien viele Debatten von männlichen Perspektiven geprägt, das betreffe auch die Debattenkultur an sich. Sie habe auch schon an Debatten teilgenommen, an denen hauptsächlich Frauen beteiligt waren, sagte Wegge. Das Fazit: „Es geht sachlicher und ruhiger zu, man schreit sich nicht an.“ In der Union gebe es viele Frauen, die ein Paritätsgesetz unterstützen, sagte die SPD-Politikerin. Bei den Männern in der Union sei das aber anders. „Ich bin so stolz auf unsere Jungs im Koalitionsausschuss. Matthias Miersch und Lars Klingbeil sagen: Wir sind klar für Parität!“ Wegge unterstrich, was auch Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas bei ihrer Rede zum Weltfrauentag im Bundestag gesagt hatte: „Wir als SPD werden eine Wahlrechtsreform ohne Parität nicht mittragen, da werden wir keinen Millimeter zurückweichen.“ Wolfgang Dahler, Obmann der CDU-Bundestagsfraktion im Familienausschuss, vertrat eine andere Meinung. „Ich habe die Rede von Frau Bas gehört und war kurz erschrocken“, sagte er. Seiner Meinung nach sei es nicht sinnvoll gewesen, das Thema im Plenum des Bundestages anzusprechen. „Ich habe die Sorge, dass es nun gar keine Wahlrechtsreform geben wird.“ Diese sei allerdings von zentraler Bedeutung, da es schlecht für die Demokratie sei, wenn direkt gewählte Kandidaten nicht in den Bundestag kommen. Weiterhin hielt er es nicht für sinnvoll, ein Paritätsgesetz angesichts der aktuellen Zusammensetzung des Bundestages auf den Weg zu bringen: „Niemandem ist geholfen, wenn wir damit auf die Nase fallen. Man muss die Gesellschaft mitnehmen.“ Mit Blick auf die Aussage, dass Parteien Frauen in weniger Erfolg versprechenden Wahlkreisen aufstellen, widersprach er: „Da ist meine Wahrnehmung eine andere. Und im Übrigen glaube ich auch nicht, dass wir bei der Gleichberechtigung verfassungswidrige Zustände haben.“ ada, cdi, dsc Zu Beginn des 13. dbb-Bundesfrauenkongresses haben die Delegierten der dbb bundesfrauenvertretung am 20. März 2026 in Berlin ihre Geschäftsführung für die nächsten fünf Jahre neu gewählt. Milanie Kreutz wurde als Vorsitzende der Geschäftsführung bestätigt. Kreutz ist seit 2020 Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und seit 2022 stellvertretende dbb-Bundesvorsitzende. Ihre Heimatgewerkschaft ist die Deutsche Steuer-Gewerkschaft (DSTG), bei der sie von 2012 bis 2020 Bundesfrauenvertreterin war. Sie bedankte sich bei den Delegierten für das entgegengebrachte Vertrauen und betonte: „Wir haben viel erreicht und ich werde mich weiterhin unermüdlich für die Frauen im öffentlichen Dienst einsetzen.“ Die dbb frauen seien mittlerweile ein gefragter Verband in der Frauen- und Gleichstellungspolitik. „Diesen Stand will ich gemeinsam mit der neuen Geschäftsführung noch weiter ausbauen und den mehr als drei Millionen Frauen im öffentlichen Dienst eine starke Stimme geben.“ Neue stellvertretende Vorsitzende ist Tanja Küsgens (Verband Bildung und Erziehung – VBE). Küsgens wurde 2021 bereits zur Beisitzerin in die Geschäftsführung gewählt. Sie löst damit Michaela Neersen ab, die 2020 zunächst zur Beisitzerin, ab 2021 dann zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Neersen war nicht erneut zur Wahl angetreten. Als neue Beisitzerinnen wurden Valentina van Dornick (komba gewerkschaft), Sandra Schäfer (Bayerischer Beamtenbund – BBB) und Martina Scherer (Deutscher Philologenverband – DPhV) gewählt. Synnöve Nüchter (dbb berlin), seit 2020 Beisitzerin der Geschäftsführung, bleibt im Amt. van Dornick, Schäfer und Scherer treten die Nachfolge von Elke Janßen und Sabine Wendt an; zudem wurde die bisherige Beisitzerin Tanja Küsgens zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Janßen und Wendt waren nicht mehr zur Wahl angetreten. Neue Geschäftsführung im Amt Die neue Geschäftsführung der dbb bundesfrauenvertretung: Sandra Schäfer, Synnöve Nüchter, Tanja Küsgens, Milanie Kreutz, Martina Scherer, und Valentina van Dornick (von links). Auf dem Podium: Prof. Dr. Silke Ruth Laskowski, Leiterin des Fachgebiets Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht, Schwerpunkt Umweltrecht an der Uni Kassel; Carmen Wegge, MdB, Sprecherin für Recht und Verbraucherschutz der SPD-Bundestagsfraktion; Holger H. Lührig, Journalist und Gründer sowie Herausgeber des zwd-Politikmagazins, Sprecher der Gesellschaft Chancengleichheit e. V.; Wolfgang Dahler, MdB, Obmann der CDU-Bundestagsfraktion im Familienausschuss; Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb-Bundesvorsitzende; Ulle Schauws, MdB, frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion; Moderatorin Anke Plättner (von links). 30 INTERN dbb magazin | April 2026
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