#staatklar – das E-Zine der dbb jugend #staatklar ist das Online-Magazin der dbb jugend – mit rund 150 000 Mitgliedern im öffentlichen Dienst und in den privatisierten Bereichen eine der größten gewerkschaftlichen Jugendorganisationen in Deutschland. #staatklar berichtet über aktuelle Themen und Entwicklungen im Staatsdienst, in der Daseinsvorsorge sowie im Bereich der systemrelevanten Infrastruktur und hat dabei insbesondere die Interessen und Belange der jungen Menschen im Fokus. Direkt zur aktuellen Ausgabe: staatklar.org oder QR-Code scannen der Hochschule einschreibt. „Sie hat mich quasi erpresst, aber im Nachhinein bin ich ihr dafür sehr dankbar.“ Im März 2020 beginnt die gelernte Erzieherin ihre zweite Ausbildung an der Fachhochschule in Kiel, die sie drei Jahre später als studierte Sozialarbeiterin verlässt. Ihr Anerkennungsjahr absolviert sie in der Bewährungshilfe. Sie begleitet ihre Mentorin zu Gesprächen, schreibt Berichte, führt später sogar eigene Gespräche mit Probandinnen und Probanden. Dies ist die Bezeichnung für alle, mit denen die Bewährungshilfe arbeitet. Hintergrund ist, dass die Betroffenen auf Probe in Freiheit sind und beweisen müssen, dass sie nicht erneut straffällig werden. Nach dem Anerkennungsjahr steht für Lea fest: Die Leidenschaft für den Job ist entfacht, sie möchte und darf bleiben. Seit April 2024 ist sie Teil des Teams, nun ohne Welpenstatus und mit voller Verantwortung. Eigensicherung ist ein Thema Die Mitarbeitenden in der Bewährungshilfe haben auch mit Straftaten zu tun, die teils schwer erträglich sind, darunter Gewalt- und Sexualstraftaten. „In solchen Fällen ist es natürlich wichtig, Psychohygiene zu betreiben und mit den Kolleginnen und Kollegen in den Austausch zu gehen“, unterstreicht die Sozialarbeiterin, die mit gesundem Respekt in jedes Erstgespräch geht. Diese finden in der Regel im Büro statt, aber auch Hausbesuche sind möglich. Gibt es Sicherheitsbedenken, erfolgen die Gespräche im Zweierteam. Hin und wieder kann die Arbeit frustrierend sein, wenn Probandinnen und Probanden nicht mitarbeiten und rückfällig werden. „Aber demgegenüber stehen Fälle, in denen es genau umgekehrt läuft“ – und schließlich sei alles ein Prozess. Wer über Jahre Drogen genommen und sich den Konsum durch Beschaffungskriminalität finanziert hat, seit jeher Konflikte mit Gewalt gelöst hat, wird kaum von einem Tag auf den nächsten ein geregeltes Leben führen. Doch insgesamt sei es beeindruckend, wie viele letztlich doch eine intrinsische Motivation entwickeln, ihre Probleme in den Griff zu bekommen, und Fortschritte machen. Die Drogensucht überwinden. Einen legalen Job finden. Kurzum: wieder – oder erstmals – ein Leben ohne Kriminalität führen. „Das ist extrem erfüllend und zeigt mir, warum ich die Arbeit mache!“ Eigenschaften, die im Job von Bedeutung sind? Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit und Durchsetzungsvermögen sind von Bedeutung. Ganz zentral sei nicht zuletzt eine positive Grundeinstellung gegenüber Menschen, unterstreicht Lea. „Auch ein Dealer bekommt etwas auf die Kette, schließlich hat er es geschafft, sich ein Geschäft aufzubauen. Warum soll er es nicht auch mit einem legalen Geschäft schaffen?“ cdi Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen? Wer in der Bewährungshilfe arbeitet, hat in der Regel Soziale Arbeit studiert. Dafür ist die Allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife erforderlich. Einige Hochschulen lassen unter bestimmten Voraussetzungen auch Bewerber*innen zu, die eine fachlich passende Berufsausbildung gemacht haben. Wie lange dauert das Studium der Sozialen Arbeit? Die Regelstudienzeit beträgt sechs bis sieben Semester (Bachelor). Abhängig von Bundesland und Hochschule folgt darauf eine Praxisphase für die staatliche Anerkennung, das sogenannte Anerkennungsjahr. In vielen Studiengängen ist die Praxisphase bereits in die Regelstudienzeit integriert. Alle, die in der Bewährungshilfe arbeiten möchten, müssen nicht zwingend auch dort das Anerkennungsjahr absolvieren! Was sind zentrale Studieninhalte? Im Fokus des Studiums stehen fachliche und methodische Kompetenzen der Sozialarbeit. Dazu gehören viele interdisziplinäre Grundlagen wie Psychologie, Pädagogik, Sozialwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre, Case Management, Soziologie und Rechtswissenschaften. Meistens beinhaltet das Studium auch einen Forschungsanteil. Ferner erlernen die Studierenden Gesprächsführung und Beratungstechniken. Wo findet die Ausbildung statt? Wer Soziale Arbeit studieren möchte, hat die Wahl zwischen Fachhochschulen, Universitäten und Berufsakademien in ganz Deutschland. In welchem Bereich und bei welchem Träger die Studierenden ihre Praxisphasen beziehungsweise das Anerkennungsjahr absolvieren, können sie in der Regel selbst entscheiden. Was verdient man in der Bewährungshilfe? In der Regel erfolgt die Bezahlung in der Bewährungshilfe nach TV-L SuE, Entgeltgruppe S 15. Ausnahme ist Hessen. Die Besoldungsstufen gehen in der Regel bis A 12, in Leistungsfunktionen bis A 13. In Baden-Württemberg, Hamburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt ist keine Verbeamtung möglich. Welche Karrierechancen bieten sich in der Bewährungshilfe? Grundsätzlich gilt: Wer in der Bewährungshilfe arbeitet, arbeitet vor allem als Bewährungshelferin oder -helfer. Es besteht die Option, sich zu spezialisieren, beispielsweise auf bestimmte Delikt- und Personengruppen (Jugendliche, Frauen). Wo finde ich weitere Informationen? Weitere Informationen bieten die Deutsche Justiz-Gewerkschaft (DJG) und die Landgerichte, hier exemplarisch das Landgericht Lübeck. Der Weg in den Job FOKUS 27 dbb magazin | April 2026
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