JOB-PORTRAIT Bewährungshelferin Ausgestreckte Hand und strenge Stimme Ein offenes Ohr haben, Menschen in ein Leben ohne Kriminalität begleiten – das ist die Aufgabe der Bewährungshilfe. Klare Ansagen sind Teil der Jobbeschreibung. Lea-Marie Kröger ist Bewährungshelferin in Lübeck und engagiert sich bei der Deutschen Justiz-Gewerkschaft (DJG). Zu ihr kommen in der Regel Menschen, die zu einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt wurden. Und Menschen, die länger als zwei Jahre inhaftiert waren. Wenn jemand eine Straftat begeht, dann muss der Rechtsstaat durchgreifen, das stehe vollkommen außer Frage, sagt sie. Aber einmal kriminell, immer kriminell? Diese Sichtweise findet Lea schwierig. Klar, es gebe Fälle, auf die das zutrifft und die Betroffenen in einem Teufelskreis stecken. „Aber wir müssen uns vor allem die Gründe genau anschauen, warum jemand straffällig geworden ist“, sagt die 29-Jährige. „Im Idealfall lassen sich die Schwierigkeiten ausräumen, die einem Leben ohne Kriminalität im Wege stehen.“ Perspektiven aufzeigen, Ressourcen aktivieren, Hilfe zur Selbsthilfe leisten – das ist die eine Seite des Jobs. Die andere: im Namen des Gerichts kontrollieren, ob verurteilte Straftäterinnen und Straftäter sich an Auflagen halten. Was die Delikte betrifft, landet alles auf ihrem Schreibtisch: von Fahren ohne Fahrerlaubnis und Beleidigung über Betrug, Diebstahl und Drogenhandel bis hin zu Raub, Körperverletzung und Totschlag. „Es gibt auch Kolleginnen und Kollegen, die sich spezialisieren, etwa auf Frauen oder Jugendliche“, erklärt Lea. „Und wer mit Sexualstraftäterinnen und -tätern arbeitet, muss eine Zusatzausbildung absolviert haben.“ Vor einigen Jahren stand Lea noch mitten in einem anderen Beruf: Sie arbeitete als Erzieherin in einem Heim mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen. Eine Begegnung in dieser Zeit hat sie besonders geprägt: ein Junge, der bereits durch so viele Straftaten aufgefallen war, dass er gar keine Chance mehr hatte, auch als Person gesehen zu werden. „Er war immer nur der mit den vielen Straftaten“, sagt Lea. „Wir haben trotzdem mit ihm gearbeitet und konnten die Gründe für sein Verhalten aufarbeiten. Das hat mir gezeigt: Es ist nicht zielführend, wenn die Gesellschaft Menschen sofort abstempelt.“ Von der Chefin „erpresst“ Ob die Bewährungshilfe zu diesem Zeitpunkt bereits ein Thema ist? Nein, die Schleswig-Holsteinerin hat ganz andere Pläne: Sie will ihren Hund zum Therapiehund ausbilden lassen und ihn in ihre Arbeit einbeziehen. Doch ihre Vorgesetzte findet, dass sie ihr Potenzial ausschöpfen und studieren sollte. So richtig überzeugt ist Lea nicht. „Als ich in den Urlaub fahren wollte, habe ich sie gefragt, ob sie auf meinen Hund aufpassen kann“ – die Vorgesetzte antwortet, dass sie das gerne macht. Aber nur, wenn sich Lea an Lea-Marie Kröger © privat 26 FOKUS dbb magazin | April 2026
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