dbb magazin 4/2026

holt einen kleinen Plastikbeutel aus der Tasche hervor, darin einige Gramm Haschisch. Der Stoff lagert an einem sicheren Ort in der Justizvollzugsanstalt. Das Bundeskriminalamt stellt ihn zur Verfügung, damit die Spürhunde motiviert bleiben. Wie Weimann die aktuelle Situation mit Betäubungsmitteln im Justizvollzug einschätzt? „Ein Gefängnis ohne Drogen ist eine Utopie“, sagt er. Denn oftmals sind der Besitz und der Handel mit illegalen Drogen Grund für die Inhaftierung. Das Justizministerium in Baden-Württemberg geht davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Gefangenen schon einmal illegale Drogen konsumiert hat. Es verweist auf die Bedeutung von niederschwelligen Therapieangeboten in den Justizvollzugsanstalten – externe Träger bieten eine Suchtberatung an, dafür würden „Haushaltsmittel in erheblichem Umfang“ aufgewendet. Im Krankenhaus des Justizvollzugs gibt es eine eigene Station für Suchtbehandlung. Als anerkannte therapeutische Maßnahme hat sich neben abstinenzorientierten Ansätzen die Substitution etabliert, teilt das Ministerium mit – also die Versorgung mit Drogenersatzstoffen, die einen kontrollierten Ausstieg aus der Sucht ermöglichen sollen. Diese erfolgt auch in der Justizvollzugsanstalt Heilbronn. Der Feierabend Dienstschluss, Balin fährt mit seinem Herrchen nach Hause, denn er ist auch Familienhund. Das ist bei allen Spürhunden üblich. „Für mich sind die besten Tage die, an denen wir nichts finden“, sagt Weimann. „Denn oft heißt das auch, dass die Abschreckung funktioniert und wir uns dem Ideal eines drogenfreien Gefängnisses annähern.“ Heute ist so ein Tag. Bei dem Gefangenen, den die nervöse Frau besucht hat, haben die Beamten nichts entdeckt. Die Analyse des Tabaks aus dem Haftraum: negativ. Und bei der Pille, die am Morgen bei dem Neuzugang gefunden wurde, handelte es sich um Viagra. cdi Der Hof auf dem Weinberg „Verboten gut“ steht auf dem Etikett des Rosés, ein Fingerabdruck ziert das Etikett des Rieslings – doch Wein ist nur ein Produkt im Hofladen. Weiter gehören Fruchtsäfte zum Angebot, außerdem frisches Gemüse vom Acker, Karotten und Zwiebeln. Der Hohrainhof ist eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt in Heilbronn. Mauern, Stacheldraht und verschlossene Türen sucht man hier vergebens – im Gegenteil: Ein einladender, idyllischer Feldweg schlängelt sich den Weinberg hinauf, der Hof befindet sich zwischen den Reben. Ziel des Justizvollzugs ist, den Weg in ein Leben ohne Kriminalität zu ebnen. Geregelte Tagesabläufe und Strukturen sind wichtig – diese vermittelt das Personal. „Das Umfeld hat einen positiven Einfluss auf die Gefangenen“, sagt Stephan Oppenländer, Justizvollzugsbeamter und Leiter des Weinbaus. „Viele, die im geschlossenen Vollzug als schwierig galten, präsentieren sich hier ganz anders.“ Die Gefangenen sind meistens drei bis vier Monate auf dem Weinberg. Sie wohnen auf dem Hof, kochen selbst und werden in alle Arbeiten einbezogen, die anstehen. Je nach Jahreszeit sind das der Rückschnitt der Reben, die Pflege oder die Weinlese. Jährlich werden bis zu 65 000 Flaschen Wein abgefüllt. Weiterhin gilt es, die Limpurg-Rinder im Stall zu versorgen und bei der Vermarktung der Produkte zu unterstützen. Der Hof hat zahlreiche Stammkunden. Nicht alle Gefangenen bekommen die Möglichkeit, auf dem Hohrainhof zu arbeiten. Sie müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Klar ist auch: Wer sich grobes Fehlverhalten leistet oder Drogen konsumiert, muss zurück in den geschlossenen Vollzug. „Es gibt eine gewisse Rückfallquote“, sagt Oppenländer. „Aber eben auch die Erfolgsgeschichten. Einige ehemalige Gefangene arbeiten heute im Weinbau“ – und manch einer spreche von „unserem Wein“ und identifiziere sich stark mit dem Produkt. „Wenn das passiert, haben wir schon viel gewonnen.“ cdi Resozialisationspraxis So sieht es aus, wenn Balin etwas findet – in diesem Fall Haschisch. 24 FOKUS dbb magazin | April 2026

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