dbb magazin 4/2026

sicherheitsrelevant ist. „Eine Tat sagt nichts darüber aus, wie sich jemand in Haft verhält.“ Wie die Gefangenen reagieren, wenn Balin und er etwas finden? „Freuen tun sie sich natürlich nicht, aber meist bleibt der Umgang professionell“ – es gebe Gefangene, die er schon viele Jahre kennt. Zum Beispiel einen Mann, der eine schwarze Jacke trägt und die Justizvollzugsanstalt heute verlassen darf. Weimann und Balin treffen ihn am Ausgang, als es zum Gassigehen nach draußen geht. Man grüßt sich, Weimann wünscht ihm mit einem Augenzwinkern, dass sie sich nicht allzu bald wiedersehen. Die Stadt in der Stadt In der Regel müssen verurteilte Strafgefangene in Baden-Württemberg arbeiten. Die Justizvollzugsanstalt ist eine Stadt in der Stadt. Es gibt diverse Betriebe, darunter eine Bäckerei, in der täglich etwa 240 Brote den Ofen verlassen. Hinzu kommen eine Schreinerei, eine Schlosserei, weitere Werkstätten, in denen verschiedene Auftragsarbeiten erledigt werden, eine Wäscherei und die Großküche. Ebenfalls auf dem Gelände untergebracht: eine Schule, in der Lehrkräfte Sprachkurse und die Möglichkeit anbieten, einen Schulabschluss nachzuholen; außerdem eine Sporthalle mit Fitnessraum, der besonders beliebt ist. „Das ist durchaus in unserem Sinne“, sagt Weimann, der bereits Fußballturniere im Gefängnis organisiert hat. „Wer sich auspowert, baut keinen Mist.“ Mittagszeit, die Gefangenen rücken ein – „einrücken“ ist Gefängnisjargon und bedeutet „von der Arbeit zurückkehren“. Eine Brücke verbindet die Werkstätten mit dem Gebäude, in dem sich Hafträume und Kantine befinden. Weimann und Balin stehen an der Tür zur Brücke. Die Gefangenen tragen dunkelrote Anstaltskleidung, die ihnen die Justizvollzugsanstalt zur Verfügung stellt. Alle müssen an der Spürnase vorbei. Sie nicken Weimann zu; der eine oder andere grüßt mit „Mahlzeit“. Plötzlich scheint Balin interessiert. Weimann gibt der Kollegin und dem Kollegen, die am anderen Ende der Brücke warten, ein Zeichen. Der Gefangene muss seine Schuhe ausziehen. Die Kontrolle lässt er routiniert über sich ergehen, sie verläuft negativ. Er kann die Schuhe wieder anziehen und seinen Weg in Richtung Kantine fortsetzen. Entwarnung. Doch als die letzte Person durch die Tür geht, rennt Balin sofort hinterher, nun geht alles schnell. Der Mann bleibt abrupt stehen, der Rüde richtet seine Schnauze auf die linke Tasche der dunkelblauen Cargohose und erstarrt – der Mann macht einen weiteren Schritt, sofort rückt Balin nach, um direkt aufs Neue zu erstarren. Dass der Mann im Gegensatz zu den anderen Gefangenen keine dunkelrote Anstaltskleidung trägt, hat einen einfachen Grund: Er ist kein Gefangener, sondern ein Kollege aus der Werkstatt. Weimann löst die Situation auf: „Hin und wieder muss Balin etwas finden. Sonst macht ihm das Spiel keinen Spaß mehr. Schließlich würden wir ohne Bezahlung auch nicht arbeiten.“ Der Kollege FOKUS 23 dbb magazin | April 2026

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