dbb magazin 4/2026

hat er nicht. „Bei der Kontrolle am Eingang war sie auffällig nervös“, sagt einer der beiden Beamten. Sie habe einen fahrigen Eindruck gemacht und betont, dass eine Durchsuchung nicht erforderlich sei, schließlich habe sie nichts dabei. Die Beamten werden sie im Besuchsraum, wo Glastische illegale Übergaben erschweren, genau im Blick behalten. Und anschließend den Gefangenen durchsuchen, den die Frau besuchen möchte. Sollten sie etwas finden, muss die Polizei hinzukommen, um eine Anzeige aufzunehmen. Die Statistik „Die Verfügbarkeit von Betäubungsmitteln stellt den Justizvollzug vor ernste und vielfältige Herausforderungen“, schreibt das Justizministerium in Baden-Württemberg auf Anfrage des dbb magazins. Mögliche Schmuggelwege führen über Besucherinnen und Besucher, die Post oder über Gefangene, die nach einem Freigang zurückkehren. Ein bekanntes Phänomen sind auch sogenannte Mauerwürfe, bei denen ein Komplize ein Drogenpäckchen über die Gefängnismauer schleudert, in der Hoffnung, dass es der Empfänger beim Hofgang einsammeln kann. Gelegentlich kommen auch Drohnen zum Einsatz. Laut Ministerium ist die Zahl der Sicherstellungen von Betäubungsmitteln und Gegenständen, die im Gefängnis verboten sind, angestiegen. Baden-Württemberg erfasst Drogen, Mobiltelefone und Bargeld in einer gemeinsamen Statistik, die sich auf alle Justizvollzugsanstalten im Bundesland bezieht. Demnach gab es 489 Sicherstellungen im Jahr 2022; im Jahr 2025 wurden die Beamtinnen und Beamten 868-mal fündig. Seit 2024 erfolgt eine separate Auswertung für die Funde von Haschisch, Marihuana, Heroin, Kokain, Subutex – das ist ein Drogenersatzstoff – und weiteren psychoaktiven Substanzen. Für das Jahr 2024 verzeichnet das Ministerium 555 Fälle, für 2025 sind es 601. Cannabisprodukte sind trotz der Legalisierung innerhalb der Gefängnismauern verboten, ebenso Alkohol. Die Entwicklung verursacht in mehrfacher Hinsicht Probleme, berichtet das Justizministerium. Es sei davon auszugehen, dass Gefangene andere Mitgefangene, die eigentlich nichts mit Drogen zu tun haben, für den Schmuggel unter Druck setzen. Hinzu kommt: Im Gefängnis ist der Stoff wegen der eingeschränkten Verfügbarkeit sehr teuer, Konsumenten verschulden sich. Es entstehen Machtstrukturen und Abhängigkeitsverhältnisse, die schlimmstenfalls in Gewalt münden – ein Problem für die Sicherheit in den Justizvollzugsanstalten. Und nicht zuletzt muss der Staat die Gesundheit der Gefangenen gewährleisten – dass sich im Gefängnis niemand den goldenen Schuss setzen soll, versteht sich von selbst. Wenige Stunden vor der Kontrolle im Wartezimmer, Dienstbeginn: Es summt, als der Beamte hinter der Glasscheibe die Tür zur Schleuse öffnet. Philipp Weimann und Balin betreten die Haftanstalt, die sich unweit der Heilbronner Innenstadt in der Steinstraße befindet, eher unscheinbar zwischen Reihenhäusern gelegen. „Hallo Herr Weimann, guten Morgen Balin“, sagt eine entgegenkommende Kollegin. Die Kommunikation unter den Beschäftigten ist sehr formell, wenn Gefangene in der Nähe sind. Weimann, seit 2019 Diensthundeführer, grüßt zurück. „Balin ist ein eigenes Teammitglied und genießt gerne die volle Aufmerksamkeit“, sagt der 40-jährige Justizvollzugsbeamte und schmunzelt. Der Schäferhund beschnuppert die Kollegin und wedelt mit dem Schwanz. Auch in anderen Haftanstalten im Südwesten sind Weimann und Balin bekannt: unter anderem in Schwäbisch Gmünd und Stuttgart-Stammheim, wo sie ebenfalls regelmäßig nach Betäubungsmitteln suchen. Weimann dreht den Schlüssel im Schloss einer Gittertür herum, sie gibt den Weg in einen langen Korridor frei. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Porträts, die Gefangene gezeichnet haben, außerdem Gemälde, die Gebirgsketten zeigen. Eine Seitentür führt die beiden ins Büro. Hier duzt man sich unter den Kolleginnen und Kollegen, spricht sich mit dem Vornamen an. Der digitale Spürhund Balin legt sich unter den Schreibtisch. „Das ist seine Höhle“, sagt Weimann, der vor dem Eintritt in den Justizvollzugsdienst eine Ausbildung zum Erzieher gemacht und als Zeitsoldat gedient hat. Im Zimmer nebenan steht Marcel Thompson am Schreibtisch, der – wie Weimann berichtet – den „digitalen Spürhund“ Philipp Weimann ist seit 2019 Hundeführer im Justizvollzug. FOKUS 21 dbb magazin | April 2026

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