dbb magazin 3/2026

Laut der dbb-Bürgerbefragung meinen immerhin 50 Prozent der Menschen, der öffentliche Dienst sei zu teuer. Für Geyer ist das aber kein Grund für Zurückhaltung bei Tarifverhandlungen. Im Interview mit der WirtschaftsWoche (Ausgabe vom 2. Februar 2026) erklärte er: „Das Problem ist ein anderes: Die gleiche Umfrage hat ergeben, dass 73 Prozent unseren Staat nicht mehr für handlungsfähig halten. Die Leute zahlen hohe Steuern und Gebühren, erhalten dafür aber oft keine adäquate staatliche Gegenleistung mehr, obwohl die Beschäftigten ihr Bestes geben. Ein Staat, der seine Aufgaben nicht erfüllt, erscheint vielen dann in der Tat als ‚zu teuer‘. Weil das Preis-­ Leistungs-Verhältnis nicht stimmt.“ Ein Grund sei die permanente Überlastung der Beschäftigten: Zwar habe es in den vergangenen Jahren einen Personalzuwachs gegeben, aber: „Schauen Sie sich allein den Bereich der öffentlichen Sicherheit an. Oder Migration und Gesundheitsversorgung. Der Bund beschließt zudem ständig neue Leistungsgesetze, die von Ländern und Kommunen umgesetzt werden müssen. Dafür braucht man mehr Personal. Das ändert aber nichts an den massiven demografischen Problemen, die auf uns zurollen. Nach unseren Berechnungen fehlen schon heute im öffentlichen Dienst rund 600 000 Fachkräfte, darunter allein über 100 000 Lehrkräfte. In den nächsten zehn Jahren gehen 1,4 Millionen Menschen aus dem öffentlichen Dienst in den Ruhestand. Die Lage ist brandgefährlich.“ Wenn der Staat handlungsfähig bleiben wolle, müsse er beim Wettbewerb um knappes Personal attraktive Arbeitsplätze bieten, die es mit der Privatwirtschaft aufnehmen können. Dass moderne Beschäftigungsbedingungen grundlegend zur Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber beitragen, bekräftigte Geyer in einem Interview mit dem Tagesspiegel am 9. Februar 2026 und verteidigte das Recht auf Teilzeit. „Die Beschäftigten in Deutschland sind sehr fleißig. Ein Begriff wie ‚Lifestyle-Teilzeit‘ ist deshalb total daneben, und wenn Politiker den Leuten sagen, ihr müsst noch mehr arbeiten und noch mehr arbeiten, dann verkennt das die Wirklichkeit in den Betrieben und Dienststellen. Wir erwarten einen wertschätzenden Umgang von der Politik und von den Arbeitgebern mit den Beschäftigten.“ Der dbb-Bundesvorsitzende zeigte sich außerdem zuversichtlich, dass die Bundesregierung bald einen Gesetzentwurf für eine verfassungskonforme Besoldung vorlegt: „Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zur Besoldung in Berlin müssen die neuen Parameter im Gesetzentwurf berücksichtigt werden. Ich verlasse mich auf die Zusage des Bundesinnenministers.“ Kritik übte Geyer an den unsachlichen Debatten über die Versorgung: „Für die Pensionsverpflichtungen hätten Bund und Länder konsequent Rückstellungen bilden müssen. Sie sparen ja in der aktiven Phase auch enorme Summen. Das fordern wir seit Jahrzehnten, doch kaum jemand macht das.“ _ NACHRICHTEN Interviews in WirtschaftsWoche und Tagesspiegel Preis-Leistung im Ungleichgewicht Für dbb-Chef Volker Geyer ist klar, warum viele Bürgerinnen und Bürger den öffentlichen Dienst „zu teuer“ finden. Die Schuld tragen aber nicht die Beschäftigten. Handlungsfähigkeit des Staates im Fokus Bei einem Treffen mit dem Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, hat dbb-Chef Volker Geyer die Bedeutung des Berufsbeamtentums unterstrichen. „Soziale Sicherheit, wirtschaftlicher Aufschwung, internationale Herausforderungen: Mehr denn je brauchen wir einen handlungsfähigen Staat“, betonte Geyer in dem Gespräch am 3. Februar 2026. „Eine funktionierende Daseinsvorsorge und eine leistungsstarke Infrastruktur gibt es nur dank des unermüdlichen Einsatzes der Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst. Um die Rahmenbedingungen für sie zu verbessern, setzen wir auf die parlamentarische Unterstützung der Unionsfraktion, insbesondere bei der Staatsmodernisierung und der Digitalisierung der Verwaltung.“ Der dbb-Bundesvorsitzende unterstrich außerdem die Bedeutung des Berufsbeamtentums: „Gerade jetzt zeigt sich sein großer Wert“, so Geyer. „Nur durch das Berufsbeamtentum kann der Staat streikfreie Bereiche garantieren. Zudem haben alle Beamtinnen und Beamte einen Eid auf das Grundgesetz abgelegt und sind damit ein Bollwerk der Demokratie.“ Treffen mit Unionsfraktionschef © Jan Brenner Model-Foto: Media Whale Stock/Colurbox.de AKTUELL 9 dbb magazin | März 2026

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==